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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Pflanzen - Physiologie.

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mehrere physiologische Betrachtungen vortrugen, besonders aber Leeuwenhoeksich viel mit dergleichen Untersuchungen beschäftigte. In der nun folgenden,fast hundertjährigen Periode, während welcher weder in der Zergliederungs-lehre noch in der Chemie bedeutende Fortschritte sich kund gaben, konnte ebenfallsnur wenig Erhebliches in der Pflanzen - Physiologie geschehen. In der erstenHälfte des 18. Jahrhunderts ist eigentlich nur Stephan Hales, ein englischerGeistlicher, zu nennen, welcher eine Reihe sinnreicher Versuche und Beobachtungenüber die Menge der von den Pflanzen täglich verbrauchten Flüssigkeit, über dieKraft der Anziehung, Bewegung und Ausdünstung der Säfte- und über die da-mit in Verbindung stehenden Lebens-Erscheinungen anstellte und (in seinem Werke:VeZoiAble KtntLs etc. Iwnä. 1727) bekannt machte; die übrigen Leistungenauf diesem Gebiete waren alle nur unbedeutend. Mit der zweiten Hälfte desgenannten Jahrhunderts begann zwar ein regerer Eifer für physiologische For-schungen; diese beschränkten sich aber ohne Ausnahme auf einzelne Lebensthätig-keiten oder auf die Verrichtungen einzelner Organe, und wenn auch manche nichtohne beachtenswerthe Resultate für die Wissenschaft blieben, so brachten sie der-selben doch, bei der immer fortdauernden Vernachläßignng einer genauern Zerglie-derung und bei der geringen Ausbildung der Pflanzen-Chemie, nicht den Gewinn,welchen man sonst wohl davon hätte erwarten dürfen. Ueber die Ernährung derPflanzen machte zuerst der Genfer Carl Bonnet ein Werk (koollerobes smI'u88A6 «los komlles etc. Coett. tzt Ue^cl. 1754) bekannt, worin er, aufviele sinnreiche Versuche gestützt, die Wichtigkeit der Blätter für die Ernäh-rung als Organe der Einsaugung und Ausdünstung zeigte, den Einfluß desLichtes auf die Bewegungen derselben nachwies und den Weg anzudeuten suchte,welchen der Nahrungssaft in dem Körper der Pflanze nimmt, dabei auch dievon Calandrini, Professor der Mathematik in Genf, zuerst beobachteteSymmetrie der Blattstellung zur Sprache brachte, als deren Zweck er die Siche-! rung der vollkommenen Ausübung ihrer Haupt-Function annahm. Die Ver-^ suche, welche Duhamel du Monceau, Oberaufseher des Seewesens undMitglied der Akademie zu Paris über die Ernährung und das Wachsthum an-> stellte und (unter dem Titel: Tu kll^si^ue äss srbrss etc. kario 1758) bekanntmachte, bezogen sich nur auf die dikotyledonischen Bäume, bei welchen er aberauch die Funktionen aller Organe und die Krankheits - Erscheinungen in denKreis seiner Beobachtungen zog. Joh. Jngenhouß, ein Belgier, kaiserlicherLeibarzt unter Maria Theresia und Joseph II. (gest. 1799), erweiterte die Lehrevon der Ernährung, indem er die Wichtigkeit der Kohlensäure als Nahrungsstoffder Pflanzen nachwies und zugleich bemerkte, daß die Gewächse auch Stickstoff' aus der Atmosphäre, und aus dieser und dem Boden mit dem Wasser zugleich^ viele salzige, erdige, metallische Substanzen u. s. w. aufnehmen; in seinemWerke (ffn cm tllo kooä ok plant8 M<1 tlic renovutioo ok soils. Tmul.

l 1796; in deutscher Uebersetzung: Ueber Ernährung der Pflanzen und Frucht-barkeit des Bodens. Leipzig 1798) suchte er seine Lehrsätze zum Nutzen derLandwirthschaft auf die Verbesserung des Bodens und die Vermehrung seinerErtrags-Fähigkeit anzuwenden. Schon früher hatte derselbe die im Jahr 1779bekannt gewordene Entdeckung des Engländers Jos. Priest ley, daß diePflanzen in mit Kohlensäure geschwängerter Luft besser als in gemeiner Luftvegetiren und die erstere sogar verbessern, in einer andern Schrift (Lxp6rimont8NPOII V6§6tabl68 deutsch: Versuche mit Pflanzen u. s. w. Leipzig 1780)bestätigt, zugleich aber gesunden, daß nur die grünen Pflanzentheile und auchdiese nur im Sonnenscheine Sauerstoff aushauchen und die Luft verbessern, daßdagegen alle Pflanzen im Schatten und zur Nachtzeit und manche TheileNeue Encyklopädie. Bd. III. Nr, 1. b. 8