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Botanik.
(Blumen, Wurzeln, Früchte) auch am Tage die sie umgebende Luft verunrei-nigen. Die letzte Behauptung suchte Joh. Senebier, Geistlicher und
Bibliothekar in Genf (gest. 1809) (in seinen: Lxxsrieness sur 1'nstisn äs I».luwiörs solnirs änns Iss VSAÄMX. Esnövs 1782) zu widerlegen; aber eswurde noch von anderen Forschern (Suckow, Girtanner, Rasn, v. Hum-boldt) die Nothwendigkeit des Sauerstoffes der Atmosphäre zur Entwickelungund zum gedeihlichen Wachsthume der Pflanzen nachgewiesen. Mit den Erschei-nungen der Reizbarkeit einzelner Pflanzen beschäftigten sich Joh. Friedr.Gmelin, Professor in Tübingen (gest. 1804) und die Niederländer Mart. I
van Marum, Seb. Just. Brugmanns und Jul. Vitr. CouloinUeber die Wirkung der Elektricität auf die Vegetation stellten der FranzoseI. A. Rollet, der Schwede Runeberg, der Italiener Volta, so wievam Marum und v. Humboldt Versuche an. Auf die nächtlich veränderteRichtung der Blätter und theilweise der Blüthenstiele oder den sogenanntenSchlaf der Pflanzen wurde Linus durch die Beobachtung einer Pflanze desUotus ormtdopoäioickss , deren Blüthen Abends von den zusammengeschlagenenBlättern verdeckt wurden, auflnerksam gemacht und gab in einer besondern Ab-handlung (Lomims plnntnr. 1775 — in Zinsen, nsaä. IV. p. 333) dieersten ausführlichen Nachrichten über diese im Pflanzenreiche sehr verbreiteteErscheinung, über welche später auch noch von Anderen (I. Hill, Rud. Aug.Vogel', Fr. v. Paula Schrank) Beobachtungen mitgetheilt wurden. DieGeschlechtsverschiedenheit der Pflanzen und die Nothwendigkeit der Befruchtung^welche seit Grew von verschiedenen Forschern behauptet, hauptsächlich aber von IRud. Iak. Camerarius (in seiner Lpistoln äs ssxn xlaiuarnm. luöillZ. 1695)dargelegt worden, wurde am Eifrigsten von Sinns an vielen Stellen seinerSchriften und in mehreren besonderen Abhandlungen, am Ueberzeugendsten jedochin seiner von der Petersburger Akademie der Wissenschaften gekrönten Preis-schrift (Oisgnisitio äs ssxn xlnntarum, 1760 — in brassn, nsncl. X. p- 100)durch eine Reihe directer Versuche und Beobachtungen nachgewiesen, wobei ersich zu der schon (im Jahr 1736) von dem Engländer Jak. Loghan ausge- ,
sprochenen Ansicht bekannte, daß der Pollen nicht selbst in den Griffel eindringeund in den Fruchtknoten gelange, sondern daß sein Inhalt von der Narben-flüssigkeit ausgesogen und dann zu den Eichen geleitet werde, und sich gegendie Lehre Sam. Morland's aussprach, welcher (im Jahr 1703, in kbilos.trniwast. Vol. 23 n. 287) die freilich nicht auf Beobachtung gegründete Mei-nung aufstellte, daß im Pollen der vorgebildete Keim enthalten sei, daß dererstere durch die Höhlung des Griffels in den Fruchtknoten gelange und dannder Keim durch ein Loch oder eine Ritze in das Ei eindringe. Nachdem nochder früher (im Abschnitt der Gestaltlehre) schon genannte Kasp. Friedr. Wolfs, !dann W. Friedr. v. Gleichen, markgräflich anspachischer geheimer Rath (DasNeueste aus dem Reiche der Pflanzen u. s. w. Nürnb. 1764), am Ausführlichstenaber Jos. Gottl. Kölreuter, Professor zu Carlsruhe (Vorläufige Nachrichtvon einigen das Geschlecht der Pflanzen betreffenden Versuchen und Beobachtungenmit drei Fortsetzungen. Leipz. 1761 — 1766), die stattfindende Einwirkung desPollens bei der Ausbildung des Eichens zum Samen dargethan hatten, tratLaz. Spallanzani, Professor zu Pavia, als Gegner der Lehre von der Be-fruchtung auf (Hella AknsEions äi ckivsrss pinnts sts. Noclsim 1776. Deutsch:Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen. Leipz. 1786) , dessen Ein- !würfe sich auf die angebliche Beobachtung gründeten, daß.monöcische und diöci-sche Pflanzen, von welchen die männlichen Blüthen oder Pflanzen hinweggenommen !waren, dennoch fruchtbare Samen gebracht haben sollen; diese Einwürfe fanden