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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Pflanzen - Physiologie.

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jedoch schon durch Volta (in den Abhandlungen der Akademie zu Mantua, Bd. 1.S. 286) zum Theil ihre Widerlegung. Während so für und wider die Sexualitätder Phanerogamen gestritten wurde, waren auch Andere, namentlich Pet. Ant.Micheli, großherzoglicher Botaniker zu Florenz (gest. 1737), Kasim. Chri-stoph Schmidel, Professor zu Erlangen und später markgräflich anspachischerLeibarzt (gest. 1793), I. Christ. Dan. Schreber, Professor zu Erlangen(gest. 1810), I. Gottl. Gleditsch, Akademiker zu Berlin (gest. 1786), zu-mal aber Joh. Hedwig, Professor zu Leipzig (gest. 1799) slkooria Asusratioiiisot kruetilleationis xlavtar. er^ptoK. etc. Uetrop. 1784. Zweite Allst. Leipz. 1798),und der bereits genannte Kölreuter (gest. 1799) (Das entdeckte Geheimnißder Kryptogamie. Carlsr. 1787) bemüht, das Dasein eines doppelten Geschlechtesbei den Kryptogamen nachzuweisen, wogegen besonders der Flamänder NatalisJos. v. Necker, kurpfälzischer Botaniker zu Mannheim (gest. 1793), nach demVorgänge des schon (bei der Systemkunde) erwähnten Mich. Adanson, in ver-schiedenen (von 17711783 erschienenen) Schriften diesen Gewächsen die Sexua-lität und selbst die Fortpflanzung durch Aussaat ganz absprach und ihnen nureine Vermehrung durch Ableger und Sprossen, nach Polypenart, zugestehen wollte.Neben den Untersuchungen über die geschlechtliche Fortpflanzung beschäftigte auchdie Frage von der ursprünglichen oder zweideutigen Zeugung (AsnsrÄtio oriAinariLoder uegrüvoea), d. h. von der Entstehung der Pflanzenohne Samen und Sporen,vielfach die Naturforscher. Obgleich die meisten derselben, Linne an der Spitze,an Harvey's Ausspruch, daß jedes Thier aus einem Ei erzeugt werde (omneMimal ex nvo"), festhaltend und denselben auf das Pflanzenreich anwendend,jene einer ältern Zeit angehörende Lehre bekämpften, so gab es doch auch Manche,wie Turberville Needham, Director der Akademie zu Brüssel (gest. 1781),Otto Friedr. Müller, Professor zu Kopenhagen (gest. 1784), Heinr. Aug.Wrisberg, Professor zu Göttingen (gest. 1809) und Ingen houß, welcheaus ihren Untersuchungen der Priestley'schen grünen Materie nicht nur auf eineursprüngliche Zeugung, sondern auch auf einen Uebergang thierischer Wesen inPflanzen schließen wollten, weil sie diese in ruhig stehendem Wasser häufig ent-stehende Materie sür eine gleichartige organische Bildung hielten und nicht als daswas sie meistens wirklich ist, nämlich als ein Gemenge verschiedenartiger vege-tabilischer und selbst animalischer Wesen erkannten.

In dem gegenwärtigen Jahrhundert, besonders in den beiden letztverflossenenDecennien, wurde in Folge der großen Fortschritte, deren sich die Phytotomieund Pflanzen-Chemie erfreuten, nothwendig auch die Pflanzen-Physiologie weitergefördert, als dieses in der frühern Zeit möglich war; es wurde nun erst dieserZweig der Botanik mehr in seinem ganzen Umfange bearbeitet und theils inbesonderen Schriften, theils in allgemeinen Lehrbüchern und im Zusammenhangemit den übrigen Doctrinen der Pflanzenkunde abgehandelt. Das erste umfas-sendere Werk von I. Senebier (Uk^sioloAie väZötsIo etc. (lsntzve 1800),womit die Reihe in diesem Jahrhundert eröffnet wurde, behandelte jedoch mehrden chemischen, als den dynamischen Theil der Physiologie. Brisseau-Mirbelhat in seinen größeren Schriften und in seinen bis in die neueste Zeit erschie-nenen Abhandlungen physiologischen Inhaltes sehr viel geleistet, häufig aber, wiein seinen phytotomischen Arbeiten, Ansichten aufgestellt, welche von denen anderer,namentlich deutscher Physiologen abweichen. Auf eigene Weise ist die Pflanzen-Physiologie von Carl Heinrich Schulz, Arzt und Pros. zu Berlin, sowohl inzahlreichen Aufsätzen als auch in umfangreicheren Werken (z. B.Die Natur derlebendigen Pflanze" n. s. w. 1. Thl. Berlin 1823. 2. Thl. Stuttg. und Tüb.1828. undDie Anaphytose od. Verjüngung der Pflanzen" u. s.w. Berl. 1843)