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Botanik.
behandelt, welche sich ziemlich alle dadurch auszeichnen, daß ihr Verfasser gegendie Lehren anderer Schriftsteller zu Felde zieht und dann neue, denselben entge-gengesetzte, obgleich nicht immer besser begründete Behauptungen ausstellt. Unterden zahlreichen Werken, welche außerdem noch in mehr umfassender Weise diesenLehrzweig behandeln, sind hauptsächlich wichtig und beachtenswerth die theilsschon bei der Zergliederungslehre angegebenen, theils am Schlüsse dieses Ab-schnittes noch zu nennenden von De Candolle, Treviranus, Meyen,Muld er.
Die Zahl der Forscher, welche sich mit der Untersuchung einzelner Ver-richtungen und Lebenserscheinungen der Pflanzen beschäftigten, ist jedoch so be-trächtlich, daß dieselben unmöglich hier alle genannt werden können und wir unsmit einer ganz kurzen Andeutung der bemerkenswerthesten Leistungen begnügenmüssen. Eine besondere Aufmerksamkeit wurde den Verrichtungen gewidmet,welche auf die Ernährung der Pflanze Bezug haben, nämlich auf die Ausnahmeder Nahrungsstoffe aus dem Boden und der Atmosphäre, sowie aus die Wetter-führung und die Assimilation der aufgenommenen Nahrungsstoffe im Innern derPflanze, wobei hauptsächlich die Frage, ob die Pflanzen ihre unorganischen Be-standtheile aus ihren Grundstoffen selbst bereiten oder mit der Nahrungsflüssigkeitvon Außen aufnehmen, zu Gunsten der letzten Annahme entschieden wurde unddann die Säftebewegung in den Pflanzen zu vielen Untersuchungen Veranlassunggab. Mit der Lösung der ersten Frage beschäftigten sich unter Anderen I. Christ.Karl Schrader, Apotheker zu Berlin, G. Schübler, Pros in Tübingen,R. Göppert, Pros in Breslau, F. Unger, derGenferMacaire-Princep,der Franzose Payen und der Engländer Eh. Daubeny; mit Aufklärung derSaftbewegung bemühten sich L. Eh. Treviranus, Heim. Cotta, Vorsteherder Forstlehranstalt zu Tharand, K. H. Schultz zu Berlin, F. I. Meyen,der Engländer Th. Andr. Knight, K. Moiren, Pros zu Lüttich, und H.Dutrochet, Mitglied der Akademie zu Paris, der Entdecker der Endosmoseund Exosmose, zweier Erscheinungen, welche auf der Eigenschaft der organischenMembranen beruhen, wenn sie zwischen zwei Flüssigkeiten von verschiedener Dich-tigkeit sich befinden, das Vordringen beider in entgegengesetzter Richtung zugestatten, wobei jedoch das Einströmen der dünnern Flüssigkeit mit größerer Ge-walt geschieht, als das Ausströmen der dichtern, worauf schon Dutrochet seineErklärung der Saftbewegung in den Pflanzen und später auch Schleidenseine Lehre von der Aufnahme der Flüssigkeiten und ihrer Verbreitung durchdas Zellgewebe gründete. Auch der Luftproceß in den Pflanzen, besonders dieAufnahme und Ausscheidung gasartiger Stoffe, so wie die lustführenden Organegaben zu mehrfachen Beobachtungen und zum Theil freilich sehr widersprechendenErklärungen Veranlassung, und hier verdanken wir hauptsächlich dem SchweizerTheod. de Saussure und K. Christ. Grischow, Apotheker in Stavenhagen,manche wichtige Aufschlüsse und Berichtigungen früherer Irrthümer. Der vonM acaireund Daub eny aufgestellten Behauptung einer Excretion der Pflanzendurch die Wurzeln wurde von mehreren Seiten, namentlich von Unger und Meyen,widersprochen. Die Wachsthnmsverhältnisse der Pflanze und einzelner Organederselben waren ebenfalls der Gegenstand zahlreicher Beobachtungen, die jedochgroßentheils zu wenig auf die innere Entwickelung des Pflanzenkörpers eingin-gen, darum auch nicht die gewünschte Aufklärung geben konnten und sogar zumanchen falschen Ansichten führten. Dahin gehört besonders die von R, L.Desfontaines, Directvr des Pflanzengartens und Mitglied der Akademie zuParis, nach einer mangelhaften Untersuchung des Palmenstammes aufgestellteAnsicht von dem Unterschiede des endogenen und exogenen Wachsthums, durch