Pflanzen - Physiologie.
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welches sich der Stamm der Mono- und Dikotyledoneen unterscheiden sollte undworaus sogar De Candolle (wie bei der Systemkunde bereits angegeben ist)zwei Classen seines natürlichen Systems gründete; ferner die Ansicht von AubertduPetit-Thouars, einem sranzösischenOfsicier und später Director der kön.Baumschule zu Paris, daß alles Anwachsen der Achsen-Organe in die Dicke durchHerabsteigende Fasern von den Knospen aus bewirkt werde, welche ungeachtetder gründlichen Widerlegung, die sie von verschiedenen Seiten erfuhr, dennochbis in die neueste Zeit ihre Vertheidiger, besonders aber an M. Chr. Gau-dichaud, Marine-Apotheker und Mitglied derPariser Akademie, einen warmenVerfechter fand. Eine klarere Einsicht in das Wachsen der Pflanze wurde abererst durch dieUntersuchungenSch leiden's über die Entstehung, Vergrößerung undVermehrung der Zellen' (s. dessen Beitr. zur Phytogenesis in Müller's Ar-chiv 1838. S. 137. und in Schleid. Beitr. zur Bot. I. S. 121) angebahnt,wie denn Schleiden überhaupt aus die Nothwendigkeit hinwies, bei Erklärung desPflanzenlebens von dem Leben der einzelnen Zelle auszugehen. Mit großerGründlichkeit hat, gleichzeitig mit dem Genannten, Schwann, Pros. zu Löwen(Mikroskop. Untersuchungen über die Uebereinstimmung in der Struktur und demWachsthum der Thiere und Pflanzen Berl. 1839) den Zellenbildungsproceß abgehan-delt. Eigene, von Schleiden und Mohl mehrfach bekämpfte Ansichten über dieEntstehung und das Wachsen der Zelle hat Theod. Hartig, Forstrath undPros. zu Braunschweig in verschiedenen Schriften (namentlich in seinen „Beitr.zur Entwickelungsgeschichte der Pflanzen 1843, und „Das Leben der Pflanzenzelle"rc. rc. 1844) vorgetragen. Auch P. Hartin g, Professor in Utrecht, ist hier nochzu nennen, welcher sich mit seinem Kollegen Mulder zu gemeinschaftlichen Un-tersuchungen über den Bau und die chemische Beschaffenheit der Pflanzenzelleverbunden hatte und seine in mancher Beziehung von des Letztem Erklärungabweichenden Ansichten in einer besondern Schrift (Llillroelieiiiisollö MäsrE-LinAM, etc. 1843) bekannt machte. Die Wirkungen des Lichtes auf die Ge-wächse, die Farbenverhältnisse, die periodischen und auf Reizbarkeit beruhendenBewegungen der Blätter und Blüthentheile, die Einwirkung der Wärme auf diePflanzen und die Wärme-Entwickelung in diesen selbst wurden von verschiedenenForschern zum Gegenstände besonderer Untersuchungen gemacht. Ueber die Funk-tion und den Nutzen der Nektarien, über welche schon im vorigen JahrhundertChrist. Conr. Sprengel durch seine zahlreichen Beobachtungen zu dem Schlüssegelangte, daß die Honigabsonderung in den Blüthen nur da sei, um die Jnsectenanzulocken, damit sie zu dem Befruchtungsgeschäste behilflich seien, wurden durchdie von der Linns'schen Gesellschaft zu Paris und von der medicinischen Facultät zuTübingen aufgestellte Preisfragen mehrere ausführliche Arbeiten veranlaßt, vonderen Verfasser drei (Desvaux, Wörz und Kurr) zu dem Resultate gelang-ten, daß die Honigabsonderung Nichts zur Frucht- und Samenbildung selbst bei-trage, der vierte (Soyer - Willemet) aber behauptet, der Honigsaft tragemittelbar zur Beförderung der Befruchtung und zur Ernährung der Eichen bei.Der im vorigen Jahrhundert durch Spallanzani angeregte Streit gegen dieLehre vom Geschlechte und von der Befruchtung bei den Pflanzen wurde von Fr. Jos.Schelver, Professor zu Heidelberg (Kritik der Lehre vom Geschlecht der Pflanzen.Heidelb. 1812; 1. Forts. Carlsr. 1814; 2. Forts. das. 1823), und Aug. Herr-schet, Professor zu Breslau (Von der Sexualität der Pflanzen, Bresl. 1820) erneuert,und wenn auch auf eine zum Theil sehr unerquickliche Weise geführt, hatte erdoch die gute Folge, daß die angegriffene Lehre sorgfältiger geprüft und durchmehrsältige Versuche und Beobachtungen bekräftigt wurde. Als gewichtiger Vor-kämpfer trat L. Ch. Treviranus auf und wies (in mehreren Abhandlungen,