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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Pflanzen - Physiologie.

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Phanerogamen übereinstimmen. Dagegen wurden über die Keimung der Samenund Sporen und die dabei stattfindenden Erscheinungen viele Beobachtungenangestellt und in einer Reihe von meist in Zeit- und Denkschriften zerstreutenAbhandlungen von den Autoren mitgetheilt. Der alte Streit über die ursprüng-liche Zeugung ist bis jetzt »och nicht geschlichtet; von vielen Thatsachen, welchezu Gunsten derselben vorgebracht wurden, ist nachgewiesen, daß sie auf Täu-schung oder allzu oberflächlicher Beobachtung beruhten; aber durch den in neuererZeit nachgewiesenen Bildungsproceß von Zellen in Jährenden Flüssigkeiten (vonsogenannten Gährungspilzen), ohne nachweisbare Sporen oder Mutterzellen, scheintfür das Vorkommen einer ursprünglichen Zeugung wieder eine neue Thatsachegewonnen zu sein. Die große Aehnlichkeit, welche oft bei specifisch verschiedenenKryptogamen die Sporen und die aus ihnen ausgekeimten jungen Pflanzen untereinander zeigen, gaben Veranlassung zu der besonders von Meyen (Ueber diePriestley'sche grüne Materie u. s. w. in Uinnaoa 1827 S. 328) und Unger(Algologische Beobachtungen, in dlov. not. I.. 0. not. onr. tom. 16. x. 2.1833. S. 521) vertheidigten Meinung, daß aus den gleichen Ansängen unterabweichenden äußeren Verhältnissen verschiedene Pflanzenarten hervorgehen könnten,und durch das Beharren vieler Kryptogamen von einfacherm Baue auf einerunvollendeten Bildungsstufe ließen sich sogar manche Forscher, wie K. Ad.Agardh, Professor zu Lund und später Bischof von Wärmland (vissertntio äoMetnniorpliosi ^iKariilli etc. Imoäno, 1820), Fr. Horn schlich, Professor zuGreifswald (Einige Beobachtungen und Bemerkungen über die Entstehung undMetamorphose der niederen vegetabilischen Organismen, in dkov. not. ^.oaä. U. 0.at. our. t. 10. 1821. p. 515; dann in Flora 1835. S. 433) und Friedr. Traug.Kützing, Professor zu Norbhausen (Beitrag zur Kenntniß über die Entstehung undMetamorphose der niederen vegetabilischen Organismen u. s. w. in lärmnen 1833.S. 335), verleiten, eine wirkliche Umwandlung der einfacheren Kryptogamen ausverschiedenen Arten, Gattungen und selbst Familien in einander anzunehmen, wogegenvielfache, zum Theil wohlbegründete Zweifel, unter-Anderen von v. Schrank (Ueberdie Pflanzen-Metamorphose in Flora 1823. Bd. 2. Beil. S. 1), Heinr. Casseb eer,Apotheker und Senator zu Gelnhausen (Ueber die Entwickelung der Laubmoose.Franks, a. M. 1823) und Hak. G. Agardh, Sohn des oben Genannten, ebenfallsProfessor zu Lund (Olworvat. 8ur In propÄAnt. äos .4IKU88, in ^nn. ckes 80 . »Lt.1836. Auszug aus einer größern Arbeit in den Abhandlungen der k. Akademie derWissenschaften zu Stockholm für d. I. 1836), erhoben wurden. Die beweglichenAlgensporen, welche einige Beobachter geradezu für Infusorien erklärten, gabenendlich Veranlassung zu der Annahme, daß gewisse Pflanzen zeitweise animalischesLeben zeigen und daß umgekehrt Thiere zu Pflanzen werden können; doch auch diesezwar schon aus früheren Jahren dieses Zeitraumes stammenden, aber neuerlichstbesonders von Unger (Die Pflanze im Momente derThierwerdung. Wien, 1843)und von Kützing (Ull/tolvAia Akneralis. Leipzig, 1843. Ueber die Verwandlungder Jnsusvrien in niedere Algenformen. Nordh. 1844) vertheidigte Meinung fandihre gewichtigen Gegner, von welchen aus der neuern Zeit hauptsächlich I. G.Agardh (in seiner genannten Schrift), Valentin, Professor zu Bern (Repertoriumfür Anatomie und Physiologie, Bd. 8. S. 4), K. von Siebold, Professor zuErlangen, jetzt zu Freiburg im Breisgau (vissortatio äs ünldu8 inter rsAoumLniiwale et voAktadilo oorwtitueuäio. UrlnnK., 1844), und S chleiden (Grundzügeder wissenschaftlichen Botanik, 1845. Bd. 1. S. 303) zu nennen sind.

Wollen wir versuchen von der Lebenslehre nach ihrem gegenwärtigen Stande,einen kurzen Ueberblick zugeben, so müssen wir mit der Entstehung, Ernährungund dem Wachsthume der Zelle beginnen. Wo eine Flüssigkeit (innerhalb oder