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Botanik.
außerhalb des Pflanzenkörpers) vorhanden ist, welche Zucker, Gummi und einestickstoffhaltige Substanz (Protein) enthält, können Zellen entstehen. Um einoder mehrere größere Proteinkörner häufen sich (nach Schleiden's Angabe)dergleichen kleinere Körnchen an und bilden einen (kugeligen, planconvexen oderlinsenförmigen) Zellenkern, oxtoblnstus, worauf sich, wie es scheint durch bloßeContactwirkung, ein Theil des Gummis in Pflanzenschleim umwandelt und umden Kern in Gestalt einer geschlossenen Blase ablagert, welche allmälig, währenddie äußere Flüssigkeit eindringt, sich ausdehnt und in Membranenstoff übergeht,oder auf einer der zahlreichen Uebergangsstufen zu diesem stehen bleibt und dieMembran der Zelle darstellt. Die größeren Körner im Zellenkerne — die Kern-körperchen, imelooli KoLkeicke-r, werden später oft hohl, und der ganzeKern bleibt entweder noch längere Zeit an der innern Zellenwand ansitzend oderfrei in der Höhle der Zelle liegend vorhanden, oder er wird bald nach der Bil-dung der Zelle resorbirt und verschwindet. Ob der Kern selbst schon immer auseiner Membran und einem Inhalte besteht, wie Nägeli, Privatdocent zu Zürich,behauptet, oder ob dieß nur eine seltnere und später eintretende Bildung dessel-ben ist, wie Schleiden meint, bleibt noch zu entscheiden. Die innere Seiteder jungen Zellenmembran ist meist noch mit einer Anfangs halbflüssigen, spätermeist fest werdenden Proteinschicht überkleidet, und diese Schicht, welche durchAlkohol sich zusammenzieht, durch Jodtinctnr oder Salpetersäure zugleich nochgelb oder braun gefärbt nnd dadurch leicht sichtbar wird, nennt Mohl „Pri-mordial-Schlauch," weil er glaubt, daß sie zuerst und früher als dieSchleimmembran um den Kern und um die sich sondernden Portionen des Zel-leninhältes entsteht. Diese Proteinschicht verdickt sich nicht, sondern wird zuletzthäustg aufgelöst und aus der Zelle fortgeführt, daher sie in älteren Zellen, zu-mal im Holze fehlt. Nach Mulder nnd Harting bestünde dagegen derZellenkern und der Primordial-Schlauch aus einer eigenen, noch nicht genau che-misch bestimmten Substanz, welche nur häufig von Protein durchdrungen ist.Die aus der vorhin genannten -Schleimblase entstandene Zellenmembran wächstdagegen weiter aus, in der ersten Zeit durch Aufnahme neuer Schleimsubstanzin ihre Masse, später aber, nachdem sie ihre bestimmte Ausdehnung erreicht hat,durch schichtenweise Ablagerung von neuem Membranstoff auf ihre innere Flache,wodurch sie an Dicke zunimmt. Diese Verdickungsschichten erscheinen nur seltenals eine völlig homogene Membran, wie in den Bastzellen des Leins und derLinde, sondern setzen sich meist in Form von Ring- und Spiral-Bändern ab,welche gar häustg durch Zwischenbänder netzartig verbunden werden oder so zu-sammenfließen, daß dazwischen nur kleine Spalten und punktförmige Stellen blei-ben, welche außen aber von der homogenen primären Zellenmembran über-kleidet sind. Dadurch entstehen die verschiedenen Abänderungen der Faser-und pnnktirten Zellen, welche in vielen Pflanzen auf einem Querschnitte die ein-zelnen Verdickungsschichten ihrer Wände erkennen- lassen (wie die Bast- undHolzzellen namentlich bei Baumfarnen und Palmen), wo dann bei sehr starkerVerdickung der Wände die ursprünglichen Poren sich als feine, die Membranequer durchsetzenden Canäle (Poren-Canäle) darstellen, die zuweilen durch Jn-einandermündung ästig erscheinen. Mit der Entstehung und Ausbildung derZelle ist auch zugleich die Bildung und das Wachsthum des Gefäßes gegeben,da dieses nur aus übereinander gestellten Faser- und punktirten Zellen besteht,deren Scheidewände theilweise oder ganz resorbirt werden. Die Ausbildung deseinzelnen Gefäßes geht in derselben Richtung vor sich, wie das allgemeine Wachs-thum des Pflanzentheiles, dem dasselbe angehört, also in den Achsen - Organen vonderen Grund gegen die Spitze, und es läßt sich in demselben, vom jüngsten Ende