Pflanze» - Physiologie.
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die meisten Pflanzengifte, die es für die sie erzeugenden Pflanzen selbst sind,enthalten, schließen möchte, daß sie aus der Wechselwirkung mit den lebendigenZellen entfernt seien, so scheint wieder das Vorkommen von Stärkmehlkörnernin dem Milchsäfte mancher Pflanzen, z. B. der Euphorbien, bei diesen auf einewenigstens theilweise Verwendung des Milchsaftes zur Ernährung der Pflanzehinzudeuten. Die von C. H. Schultz zu Berlin (Die Natur der lebendenPflanze, 1823 — 1828 und in mehreren anderen Schriften) ganz allgemeinbehauptete Bewegung des von ihm fälschlich für einen dem Blute der Thiereanalogen Nahrungssaft gehaltenen und darum als Lebenssaft bezeichneten Milch-saftes in den Milchsaftzellen und die Annahme eines darauf beruhenden, durchdie ganze Pflanze zusammenhängenden Circulations-Systems (Cyclose) ist durchkeine zuverläßige Beobachtung erwiesen, im Gegentheile durch die gründlichenUntersuchungen Mohl's (s. Bot. Zeit. 1843. S. 553) höchst zweifelhaft ge-macht. Außer den in die Saftgänge ausgesonderten Substanzen werden aberauch gasartige Stoffe in die das Zellgewebe durchziehenden Luftgänge, in dieGefäße und, wie es scheint, in den größten Theil der Jntercellular-Gänge aus-geschieden, die sich durch die anatomische Untersuchung nachweisen lassen, ohnedaß wir jedoch ihre Bedeutung für das Leben der Pflanze kennen.
Die assimilirten Stoffe werden nicht bloß zur Ernährung der vorhandenen,sondern auch zur Bildung neuer Elementar-Organe verwendet, und in der fort-währenden Bildung neuer Elemcntar-Organe zu den alten, so wie in ihrer Ver-größerung oder überhaupt in ihrer wettern Ausbildung und der dadurch bedingtenVermehrung des Volumens und der Masse der ganzen Pflanze besteht das W a ch-sen der letzteren. Je nachdem sich die neu entstehenden Zellen an und in denalten nur allein oder doch vorherrschend übereinander bilden, oder zugleich auch inden Mutterzellen nach verschiedenen Seiten neben einander lagern, wird das Wachs-thum eines zusammengesetzten Organs ein bloß in die Länge gerichtetes (z. B.bei Confervaceen), oder ein in die Fläche ausgedehntes (bei vielen Ulvaceen undFlechten), oder nach allen Körper-Dimensionen gehendes (wie bei der Mehrzahlder Pflanzen). Das noch zarte, in der Bildung begriffene, mit trüber Flüssig-keit erfüllte Zellgewebe wurde ehemals, weil es nur schwer die einzelnen bereitsangelegten Elementar-Organe erkennen läßt, für einen formlosen, bildungsfähi-gen Saft gehalten und (von Grew) mit dem Namen Cambium belegt, wel-chen es ziemlich allgemein auch jetzt noch führt. Von den Stellen also, wo
das Cambium sich bildet, geht alles Wachsthum der Pflanze vor sich. Aufden Unterschied in der Richtung des Wachsthums der Achsen- und Seiten-Organe im Allgemeinen ist schon in der Gestältlehre aufmerksam gemacht wor-den. Es finden aber noch ffar mancherlei Modifikationen statt, welche hier nichtweiter verfolgt werden können. Doch mögen die wesentlichen Unterschiede erwähntwerden, welche die verschiedenen Abtheilungen der Gefäßpflanzen indem Wachs-thume ihrer Achsen-Organe zeigen. Diese Unterschiede sind hauptsächlich in derBildungsweise und Anordnung der Gefäßbündel, sowie in der Art der Vermeh-rung und Vergrößerung der letzteren ausgesprochen, womit die Bildung desneuen Parenchym's immer gleichen Schritt hält. Im Stamme der kryptogami-schen (sporentragenden) Gefäßpflanzen zeigen alle Gesäße eines Bündels einegleiche Ausbildung, und es ist daher anzunehmen, daß alle Theile der einzelnenBündel ziemlich gleichzeitig entstehen und ausgebildet werden. Diese simul-tanen Gefäßbündel (nach Schleiden) vergrößern sich nur durch Bildungneuer Elementar-Organe von gleicher Beschaffenheit über den älteren, so daß jedeNeubildung nur eine unmittelbare Verlängerung der älteren Bündel mit demNeue Encyklopädie. Band III. Nro. 1. b. 9