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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Botanik.

umgebenden Parenchym ist. Es findet keine Bildung neuer Gefäße oder Gefäß-bündel im Umkreise der älteren statt und die ursprüngliche Zahl der Bündelvermehrt sich niemals. Darum zeigt der Stamm kein Wachsthum in die Dickein irgend einem seiner einmal in die Länge ausgebildeten Zwischenstücke; erbesitzt nur ein Längenwachsthum, welches, da nie eine Hauptwurzel vorhandenwar, immer von seinem Gipfel aus sich fortsetzt, also ein einfaches Gipfel-wachsthum ist. Bei den phanerogamischen (samentragenden) Gefäßpflanzenentstehen die Elementar-Organe der Gesäßbündel nacheinander und zwar in derRichtung von Innen nach Außen, und werden auch in dieser Richtung ausgebil-det succedane Gefäßbündel. Diese zeigen aber wieder zwei Haupt-modificationen. In dem Stamme der Monokotyledoneen dauert nämlich dieBildung neuer Elementar-Organe in den einzelnen Bündeln nur eine gewisseZeit, worauf sich kein Kambium mehr nach Außen hin bildet und die Bündelfür immer von dem umgebenden Parenchym mehr oder minder scharf abgegrenzterscheinen geschlossene Gefäßbündel. Hier stellen sich nie mehrereBündel so nahe aneinander, daß sie einen geschlossenen Kreis bilden, und daauch die neuen Gesäßbündel gegen die Peripherie des Stammes, von den älte-ren und von einander selbst mehr oder minder entfernt entstehen, so erscheinenalle Bündel im Parenchym des Stammes zerstreut. Jedes Bündel läuft unun-terbrochen von der Basis des Stammes bis zu einer Blattstelle, um dort inein Blatt oder in einen Blüthenstiel auszutreten; damit ist sein Wachsthum voll-ständig abgeschlossen und setzt sich nie im Innern des Stammes gegen denGipfel hin weiter fort, sondern es sind immer wieder jüngere Bündel, welchevon der Basis gegen den jeweiligen Gipfel des Stammes bis zu den oberenBlattstellen verlaufen. Durch diese fortwährende Erzeugung neuer Gefäßbündelaußerhalb der alten und deren Verlängerung über diese hinaus, wächst derStamm der Monokotyledoneen zugleich in die Dicke und in die Länge; da aberdie Hauptwurzel dieser Gewächse meist bald nach der Keimung verschwindet, sozeigen sie dann, neben dem peripherischen, nur noch ein Längenwachs-thum nach dem Gipfel. In dem Stamme der Dikotyledoneen währt dage-gen die Bildung neuer Elementar-Organe an der äußern (dem Umfange desStammes zugekehrten) Seite der einzelnen Gefäßbündel so lange fort, als dasAchsen-Organ lebt angeschlossene Gefäßbündel. Sie sind schon vonAnfang an in einen deutlichen Kreis gestellt und durch meist dünne, auf demQuerschnitte strahlig verlaufende Parenchym-Massen (Markstrahlen) getrennt,welche die Verbindung der Markröhre mit dem Rinden-Parenchym unterhalten.Schon in dem einjährigen Stengel verdickt sich der einjährige Gefäßbündelkreisdurch fortwährende Neubildungen nach außen; bei-dem ausdauernden Stammewiederholt sich dieses mit jeder neuen Vegetations-Periode nach dem alljährlich(bei uns im Winter, zwischen den Wendekreisen in der heißen, dürren Jahres-zeit) eintretenden Stillstände des Wachsthums; dadurch entstehen ringförmigeAbsätze in dem durch die Gefäßbündel gebildeten Holze (Holz- oder Jahrringe),nach deren Zahl das Alter des Stammes sich bestimmen läßt. Die äußersteSchicht eines jeden Gefäßbündels, welche aus biegsamen Prosenchym-Zellen be-steht, trennt sich von der innern, aus Gefäßen und mehr starren Zellen bestehendenLage (dem eigentlichen Holze), und dadurch entsteht im Umfange des ganzenHolzkreises ein Bastkreis, welcher diesen von der Rinde trennt. Auf der innernund äußern Seite des Bastes ist der Sitz des Cambiums; daher gehen alleNeubildungen gleichzeitig zwischen Bast und Holz und zwischen Bast und Rindevor sich, so daß die jüngeren Holzlagen (der Splint) die äußersten des Holzkrei-ses, die jüngeren Rindenschichten aber die innersten des Rindenkörpers bilden und