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Botanik.
eine Spiraldrehung des Fadens zu Grunde liegt. Da durch diese Bewegungendie in Massen zusammengehäusten Fäden aus ihrer Anhäufung hervortreten undsich ausbreiten, so entsteht dadurch der Anschein eines raschen Wachsens, währendnach Unger's (UebersKplrlUuni Oseillntorin, in dlov. net. sseoä. unt. eur. tom. 18.purs 2. p. 705) und Fresenius' (Ueber den Bau und das Leben der Oscillarien,in lUns. SenIronbörA. 1845. p. 265) Beobachtungen diese Bewegungen nicht füreine Folge des Wachsthums zu halten sind, wobei sich der Letztere auch nochbestimmt gegen die thierische Natur dieser Fäden erklärt, welche ihnen vonmehreren. Beobachtern zugeschrieben wurde. Am Weitesten verbreitet sind die anlebenden gesunden Pflanzenth eilen periodisch vorkommenden Bewegungen, welchein der Veränderung ihrer Richtung nach dem Wechsel von Tag und Nacht oderauch nach den Witterungsverhältnissen bestehen, also von äußeren Einwirkungenabhängig sind, und auf welchen das von Linno so genannte Wachen und derSchlaf der Pflanzen beruht. Der Schlaf zeigt sich hauptsächlich an den Blatt-Organen, sowohl der Vegetations-Achse als der Blüthe, beim Einträte der Nachtoder auch schon bei Trübung des Himmels, und besteht darin, daß sich dieBlätter auf verschiedene Weise zusammen und an einander legen und überhauptwieder mehr oder weniger die Lage und Richtung anzunehmen trachten, die siebei Entfaltung der Knospe hatten. Diese Richtungsveränderungen sind auch anjüngeren und zärteren Blättern am Bemerkbarsten, dagegen geringer bei älterenund derberen, und bei dicken, fleischigen oder lederartigen Blättern treten sie garnicht ein. Am Augenfälligsten sind sie an den zusammengesetzten Blättern derverschiedenen Familien der Hülsenpflanzen und der Oxalideen. Als besondersausgezeichnet ist vssmoäium A/rnim s/tOl), aus der Familie der Papilionaceen,zu nennen, an dessen dreizähligen Blättern das große Endblättchen sich gegenAbend, wie beim Schlafe, nach dem Stengel zu hinabsinkt und Morgens allmäligsich wieder erhebt, die beiden viel kleineren Seitenblättchen aber den ganzenTag über eine Art von langsamer Pendel-Bewegung zeigen, indem sie sichzwischen dem Endblättchen und dem gemeinschaftlichen Blattstiele seitlich hin undher bewegen, wobei zugleich das eine stets einen dem andern entgegengesetztenWeg beschreibt, und ähnliche Bewegungen werden auch von vosm. A/roiässs/)6'.) angegeben. In manchen Fällen nehmen auch die Blüthenstiele an demSchlafe Theil, indem sie sich bei Nacht so krümmen, daß die Blüthen über-hängen, wie schon Linnä (in seiner erwähnten Abhandlung über den Pflanzen-schlaf) an lRipborbia- , Esrnninm-, Lunnnoulus - Arten u. s. w. beobachtete. Aufden periodischen Wechsel im Oeffnen und Schließen vieler Blüthen zu gewissenTagesstunden ist Linne's Pflanz enuhr (borolotz-lu>n tlorno) gegründet.
Außer diesen periodischen, ganz oder theilweise von der Einwirkung desLichtes abhängigen Bewegungen sieht man an den Blättern mancher Oxalideen(Oxnlis ssnsitivn D., 0. onsta Mrr'k. und ^.vorrboa-Arten), Papilionaceen(AmitbiL sensitive ^.osob^nomsno - Arten) und besonders Mimoseen (M-IN 08 N puäieu, Sönsitivn, oustn D. u. a. IN.) ganz ähnliche Erscheinungen, wiebeim Schlafe, in Folge einer äußern mechanischen oder chemischen Einwirkungeintreten , wo dieselbe aber mehr meist sehr schnell erfolgen. Eine sehr großeErregbarkeit zeigen noch die gewimperten Blattscheiben der fliegensangenden Dionäa(DionÄsn rmiselpuln LM«), einer in Nordamerika wachsenden Pflanze aus derFamilie der Droseraceen, welche sich bei jeder Berührung durch einen fremdenKörper zusammenschlagen und so fest mit ihren über einander greifenden Wim-pern schließen, daß sie die auf sie gerathenen Jnsecten gefangen halten und sicherst wieder öffnen, nachdem dieselben getödtet oder so ermüdet sind, daß siedurch ihre Bewegung den Reiz nicht mehr erneuern können, welcher das Schlie-