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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Pflanzen -Physiologie.

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Den des Blattes hervorrief. Auch die Befruchtungs-Organe mancher Phanero-gamen werden durch Berührung oder sonstige äußere Einwirkungen zu einer plötz-lichen Bewegung veranlaßt, wie die Staubfäden mehrerer Cacteen und Cynareen,der Lsrboris- und karistarm - Arten und der Griffel der - Arten und

der Ooläümsig, rwisopIiMa; zum Theil erfolgt zwar eine Bewegung dieser Or-gane auch ohne äußere Veranlassung, welche aber alsdann meist langsamer istund die Verbringung des Pollens auf die Narbe zum Zwecke hat, z. B. bei denStaubgefäßen von Unrimssin- und Uma-Arten. Die inneren Ursachen aller dieserBewegungen von lebendigen Organen sind bis jetzt noch nicht erforscht. Außerden hier beschriebenen kommen sehr häufig auch Bewegungen an Pflanzentheilenvor, deren Elementar-Organe im Absterben begriffen oder bereits todt sind.Die meisten find noch von Bedeutung für das Pflanzenlebeu, indem sie dasAusstreuen der Pollenkörner, der Sporen und Samen begünstigen oder diesesallein bewirken. Dahin gehört als allgemeine Erscheinung das Aufspringen derAntheren und der Fruchtgehäuse, welches zuweilen mit einer großen Gewalt ge-schieht, wie an den Kapselfächern vieler Enphorbiaceen, deren Samen dadurchauf eine bedeutende Strecke fortgeschleudert werden. Als besondere Erscheinun-gen sind unter anderen noch zu nennen: die Bewegung der Zähne an der Büchseund das Drehen des Büchsenstiels (der sogenannten Borste) bei Moosen, daswiederholte Oeffnen und Schließen des klappenartig aufspringenden Balges beillsastor, das Aus- und Einrollen der spiraligeu Fäden an den Sporen derSchafthalme, das schneckenlinige oder spiralige Einrollen und Wiederausstreckender Fruchtschnäbel bei Geraniaceen, das Zusammenziehen und die Ausbreitungper ganzen todten Pflanze von digroollrmtlos. L. (der sogenannten

Rose von Jericho), lauter Bewegungen, welche durch abwechselndes Eintrocknenund Befeuchten hervorgerufen werden. Alle beruhen auf der Elasticität undHygroskopicität oder der Eigenschaft der Zellenmembranen, sich beim Eintrocknen zu-sammenzuziehen und beim Befeuchten wieder auszudehnen, und die verschiedenenArten der dabei stattfindenden Bewegungen lassen sich aus der verschiedenen,meist anatomisch nachweisbaren Beschaffenheit der die Organe bildenden Zellenund ihrer Membranen ganz gut erklären.

So weit bis jetzt an lebenden Pflanzen die Temperatur im Innern desStammes untersucht wurde, was meist nur an Bäumen unseres Klima's geschah,fand man dieselbe stets von der Temperatur der umgebenden Luft abweichend,nämlich im Winter höher, im Sommer niedriger als diese; sie folgt aber inihrer Ab- und Zunahme stets den Veränderungen der Lufttemperatur und nähertsich bei einem längere Zeit sich gleich bleibenden Stande der letztem dieser immermehr, so daß man die innere Wärme des Stammes weniger als eine selbst-ständige von der Pflanze ausgehende, sondern mehr als eine von äußeren Ein-flüssen, nämlich von der Temperatur' des Bodens und der Luft abhängige an-sehen muß. Ob und wie weit die in den Geweben vor sich gehenden chemischenund Lebensproceffe auf die Verschiedenheit der innern Pflanzenwärme von derLufttemperatur von Einfluß sind, oder ob eine Verminderung oder Vermehrungder Ausdünstung diese Temperatur-Unterschiede bewirken kann, wissen wir nicht.Eine bemerkbare Entwickelung von Eigenwärme wird dagegen beim Blühen ge-wisser Pflanzen aus der Familie der Aroideen, an dem Blüthenkolben beobachtet,wo sie in manchen Fällen um 530° R. die Temperatur der umgebenden Luftübersteigt. Auch bei der Keimung der Samen tritt eine bedeutende Wärme-entwickelung ein, wie dieses namentlich bei dem Malzen des Getreides schonlängst bekannt ist. In den beiden letzten Fällen scheint die Ursache in der ver-mehrten Bildung von Kohlensäure und in den keimenden Samen auch in der Was-