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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Botanik.

serbildung bei der Zersetzung und Umbildung der assimilirten Stoffe, also ineinem Verbrennungs-Processe zu liegen, der bei den Blüthen hauptsächlich inden Staubgesäßen vorgeht.

Ein an manchen lebenden Pflanzen beobachtetes Leuchten läßt auch auf eineLichtentwickelung bei denselben schließen. Dieses Leuchten ist bald schnell vorüber-gehend, bald länger dauernd. Einen blitzähnlichen Schein beobachtete zuerstLinnä's Tochter an einem schwülen Abend im Jahre 1762 auf den Blüthen vonIropnsoluin innsus. Von da an wurde bis in die neuere Zeit auch von An-deren ein solches blitzähnliches Leuchten nach Sonnenuntergang, bei schwüler Wit-terung, an gelben und hochrothen Blumen verschiedener Pflanzen gesehen, undauf den Blättern von kli^tolaoeu ckeeanclra will Szüts (Trommsd. Jouru. d.Pharm. 8. 2. S.54.) einmal des Nachts während mehrerer Stunden ein grünesLicht wahrgenommen haben. Die in den feuchten Schachten mancher Bergwerkewachsende MiMmorxkm sudterrMkn zeigt an den Spitzen ihrer jüngeren Triebeein fortwährendes phosphorisches Licht; dasselbe findet sich an dem sädigenLager mancher Pilze (z. B. der llNelepbora eaerulea L>e/ru«ct.) im jüngstenZustande und auf der untern Fläche des Hutes bei ^§nrieu8 olenrinsUeber den Grund dieser Lichterscheinungen bestehen nur Vermuthungen. Auch anabgestorbenen, in Verwesung übergehenden Pflanzentheilen, am Häufigsten an feuch-tem, faulendem Holze, tritt unter gewissen Umständen ein stärkeres oder schwä-cheres Leuchten ein, welches wahrscheinlich von der langsamen Verbrennung einereigenthümlichen aus der Zersetzung der organischen Bestandtheile hervorgegangenenVerbindung herrührt.

Durch die in neuerer Zeit. beobachtete Entstehung der Gährungszellen istes wohl außer Zweifel gestellt, daß ohne organischen Keim, unmittelbar aus form-losen, jedoch organischen Flüssigkeiten Zellen entstehen können, die für sich fort-bestehen oder, sich vermehrend, die Grundlage zu zusammengesetzten vegetabilischenWesen werden. Mag man nun diese Bildungen für bestimmte Pflanzenarten oder(nach Schleiden) bloß für organische Krystallisationen halten, so bleibt doch soviel gewiß, daß sie nicht durch Fortpflanzung einer Mutterpflanze, sondern un-mittelbar aus der organisirbaren Flüssigkeit in Folge eines specifischen Bildungs-triebes entstehen, rvelche Entstehungsweise man nun einmal mit dem (freilichmanchen Physiologen anstößigen) Namen der Urzeugung belegte. Dieser Er-zeugung steht diejenige entgegen, durch welche von einer bereits existirenden Pflanze(Mutterpflanze) die Anlage zu einer neuen Pflanze ausgeht, oder die Fort-pflanzung. Dazu gehört im weitem Sinne die Erzeugung von einfachen oderzusammengesetzten Organen aller Art, welche bestimmt sind, sich von der Mut-terpflanze zu trennen und sich zu selbstständigen Individuen auszubilden, sammtder wirklichen Ausbildung dieser Organe zn neuen Pflanzen, also auch die Bil-dung und weitere Entwickelung der Brutzellen (Aouiäis,), Brutkörner (propaAulu)und Brutknospen, von welchen die beiden ersteren nur den kryptogamischen Zellen-pflanzen, die letzteren aber auch den Gefäßpflanzen zukommen. DieFortp slanzungim engern Sinne umfaßt dagegen die Processe, welche auf die Bildung von Sporen,und Samen und auf die Keimung derselben Bezug haben. Sowohl über die Bildung derSporen, bei welcher die Mitwirkung von zweierlei Organen noch nicht erwiesen ist, alsauch über die ganz analoge Entstehung der Pollenkörner, die von ihnen ausgehende, imInnern eines Eichens stattfindende Keimbildung und die dadurch bedingte Entwickelungdes Eichens zum fortpflanzungsfähigen Samen ist das Nöthige schon in der Gestaltlehrevorgetragen worden. Spore und Samen halten meist nach ihrer vollständigen Ent-wickelung und Trennung eine gewisse Zeit der Ruhe ein, welche durch äußereUmstände in mancherlei Fällen weit über ihr gewöhnliches Ziel verlängert werden