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Botanik.
-stimmten Zeit erfolgende Entfaltung der Knospen, bei Vermehrung der allgemei-nen Lebensthätigkeit und durch die später (bei uns mit dem Herbste und Win-ter) eintretende Abnahme oder den fast gänzlichen Stillstand dieser Thätigkeit.Daß aus diese abwechselnde Erhöhung und Verminderung der Lebensthätigkeitdie periodische Zu- und Abnahme des Lichtes und der Wärme von mächtigemEinflüsse sei, ist nicht zu verkennen; aber schon die Beobachtung, daß bei manchenPflanzen die höhere Entwickelung ihrer Lebensthätigkeit, das Blühen und die Be-fruchtung in die Morgen- und Abendstunden oder selbst in die Nacht fällt, daßandere Gewächse ihre Blüthen erst im Spätherbste oder schon vor Frühlingsan-fang bringen, wo gerade der Einfluß der Wärme und des Lichtes geringer ist,beweist, daß der eigentliche Grund des periodischen Wechsels der Lebenserschei-nungen in einer specifischen innern Anlage der Pflanzen liegen müsse und nicht ausder Einwirkung von äußeren Potenzen allein oder überhaupt aus bloßen physikali-schen und chemischen Gesetzen zu erklären sei. Das Nämliche gilt für die verschie-dene Lebensdauer der Pflanzen, deren ersten und allgemeinen Grund wir ebenso, wie für die mannigfaltigen Lebenserscheinungen, nur in einer bestimmten,jeder weitem Erklärung unzugänglichen innern Naturanlage suchen können. Wirwissen zwar, daß es viele Pflanzen gibt, welche nur einmal, etweder in demsel-ben Jahre, in welchem sie gekeimt, oder im zweiten (seltener in einem spätern)Jahre nach ihrer Keimung Blüthen und Früchte bringen und mit der Fruchtreifevöllig absterben — die sogenannten einjährigen und zweijährigen Pflanzen; wirerkennen auch die nähere Ursache dieses Absterbcns der ganzen Pflanze darin, daßalle Nahrungsstosse auf die Ausbildung der Frucht und des Samens verwendetwerden, so wie in der' Unfähigkeit, einen weitern Vorrath von Nahrungsstoffenin ihren Geweben zu bilden, um für eine folgende Vegetations-Periode zur Fri-stung des Lebens auszureichen, wir haben sogar das Mittel zur Verlängerungdes Lebens vieler dieser Pflanzen in der Hand, indem wir ihr Blühen und Frucht-tragen aus verschiedenem Wege zu verhindern oder zu verzögern vermögen; aberder innere Grund, warum hier mit dem einmaligen Fortpflanznngsgeschäfte immerder ganze Nahrungsvorrath aufgezehrt und dadurch der allgemeine Tod herbei-geführt wird, bleibt uns nichts desto weniger verborgen.
Bei keiner Pflanze jedoch, wenn sie auch nur aus einer einfachen Reihe vonZellen besteht, erfolgt der natürliche Tod so plötzlich und mit gleichzeitiger Auf-hebung der organischen Thätigkeit in allen Theilen, wie bei dem Thiere. ImOrganismus der Pflanze besitzt jedes Elementar-Organ, wie bereits gezeigtworden, sein eigenes, bis zu einem hohen Grade selbstständiges Leben. Selbstdie einfacheren Zellenpflanzen sind wenigstens aus solchen in gewissem Grade voneinander unabhängigen Elementar-Organen gebildet; beiden mehr zusammenge-setzten Pflanzen stellt sich aber auch jeder aus einer Knospe hervorgegangeneTheil, wie ebenfalls schon früher bemerkt wurde, als ein besonderes Individuumdar. Es können nicht nur einzelne Zellen und Zellcnmassen (z. B. Mark,äußere Rinde und innerstes Holz der Gesäßpflanzen), sondern auch ganze zu-sammengesetzte Organe (Wurzeln, Aeste, Blätter) absterben, ohne daß dieübrigen Theile in ihrem lebendigen Fortbestehen und Wachsthum behindert sind.Daher findet aus natürlichem Wege bei den Pflanzen, selbst bei ein- und zwei-jährigen , kein plötzlicher Tod, sondern nur ein allmäliges Absterben ihrer Theilestatt, und alle, deren Lebensziel nicht mit einer einmaligen Frucht- und Samen-erzeugung erreicht ist, besitzen eine unbegrenzte Lebensdauer, indem sie, wennauch nur eine gewisse Zahl ihrer Elementar-Organe noch lebensfähig bleibt,durch deren Wachsthum und Vermehrung fortbestehen können. Man kann alsonur von dem Tode der ganzen Pflanze reden, wenn in allen Elementar-Organen