Die Berichte von dü Lue über Bern und die Berner. 303
Schweiz, in Langenthal, eine Unterredung mit den Herren Wil-lading und Tscharner hatte. Wenn einmal diese zwei Deputiertendes Kantons Bern mit dem Residenten sich verstehen könnten,so wäre es ihnen nicht schwer, Alles, was sie abgeredet hätten-von dem großen Rath genehmigen zu machen, weil sie durch dieBertheilung der Stellen alle Stimmen gewinnen würden. AlleVorstellungen, die er im Namen des Königs dem Kanton Bernoder der ganzen Eidgenossenschaft machen könnte, würden ganzfruchtlos sein. Der König wisse, welche Früchte die Klagen desHerrn Amelot 1695 gegen diesen Kanton bei der allgemeinenTagsatzung brachten. Nie habe er gerechtere und besser entwickelteKlagen vorgebracht, und dennoch wurde der Übermuth der Bernernur noch größer. Wenn also der König ihm ein ähnliches Be-nehmen auftragen würde, müßte man auch den nämlichen Er-folg erwarten.^)
Den 22. Heumonat meldete er dem König, die Berner gebenzu, daß ihnen nichts nützlicher wäre, als wenn sie wieder dieGewogenheit des Königs erlangen könnten. Die Schwierigkeitaber sei, sie wegen der Vorwürfe ihres Gewissens zu beruhigen;diese verhindern sie, zu vergessen, was sie Alles gegen den Nutzendes Königs gethan haben, und diese Erinnerung erzeuge in ihnenMißtrauen.
Er arbeite gleichzeitig an zwei Sachen, welche dem Anscheinnach einander entgegengesetzt seien. Die erste bestehe darin, denin seinem Kanton allzugroßen Kredit des Schultheißen Willadingzu schwächen, und die andere, diesen Mann wieder zu gewinnen.
Ihn ganz zu vernichten, hieße nichts thun. Die Ausführungwäre aber auch schwierig und selbst gegen die Ansichten MsKönigs; es sei also besser, zwei Parteien zu bilden, wenn nurihre Häupter dem König nicht vollkommen entgegen seien.
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