Band 
Zweiter Band.
Seite
516
JPEG-Download
 

510

Buch 11. «apitel IV.

Den 13. Jänner berichtet er dem König, daß der SchultheißBesenval ungeachtet des kalten und schneeigen Morgens demSchultheißen Willading 4 Stunden weit entgegengereist sei, umden Streit wegen Stein, welcher jetzt die Nation am meistenbeschäftige, freundschaftlich zu beseitigen. Wenn diese zwei Schult-heißen, wie er hoffe, sich verständigen können, so betrachte erdieses Geschäft als beendigt, weil Zürich den Bernern nichtwidersprechen dürfe und die Katholiken seinen Rath befolgenwerden. Fände aber dieses statt, so könne er Se. Majestät ver-sichern, es werde, wenn auch keine große Freundschaft, doch keinKrieg in der Schweiz entstehen. Der Abt von St. Gallen werdebessere Zeiten abwarten, um wieder in das Toggenburg einge-setzt zu werden.

Da er glaube, den Charakter des Schultheißen Willading durchund durch zu kennen, so habe er den Staatsschreiber Besenvalmit seinem Vater, dem Schultheißen, zu der Konferenz geschicktund ihm eine Instruktion übergeben, mit dem Auftrage, nachdemman die darin enthaltenen Punkte werde diökutirt haben, zutrachten, dieselbe Willading als ein Zeichen seines Zutrauensmitzutheilen, und ihm sogar, wenn er es verlange, eine Kopieder darin enthaltenen Artikel zu geben. Jedoch solle er sagen,er habe keinen Befehl deßwegen erhalten, allein das Vertrauenund seine Rechtschaffenheit machen es ihm zur Pflicht, sie demSchultheißen mitzutheilen, obschon es ihm Unannehmlichkeitenzuziehen könnte, wenn es bekannt würde. Geht nun Willadingin die Schlinge, so wird er entweder aufrichtig handeln, unddann kann ich versichert sein, daß Bern und Basel die Grenzen

Bürger von Stein auf, mit den Thurgauern zu mustern, dessen sie sichweigerten, und deßwegen wurden nicht nur die sich Weigernden stark be-straft, sondern man legte auch eine Strafe von IvvN Dukaten auf denMagistrat von Stein. Auszug aus der Stadt Stein'schen Actorum,von Georg Winz.