Bemerkungen über diese Denkschrift. 57l
kannt hatte, auf dieses Land wieder hätte Ansprachen machenkönnen? Wir können den Grafen höchstens so rechtfertigen, daßman annimmt, es sei ihm vielleicht den 19. noch nicht bekanntgewesen, daß den 11. April der Friede zu Utrecht mit Preußenunterzeichnet worden war. Wie sehr widerspricht seine Äußerung,daß die schweizerischen Katholiken leicht die Partei der Holländerergreifen könnten, allen seinen frühern Versicherungen dertreuesten Anhänglichkeit dieser Stände an den König? Der Grafmuß wohl auf die Unbckanntschaft des Königs und seines Mini-steriums mit den schweizerischen Verhältnissen fest gebaut haben,wenn er behauptet, daß der Kanton Bern ohne das Wadtlandnicht stärker wäre, als Freiburg.
Sein Plan war darauf berechnet, neue Unruhen und Zwistig-leiten in der Schweiz zu erregen, und wahrscheinlich war erauch einer von Denen, die immer ausstreuten, daß Neuenburgwieder sollte abgetreten werden.
Der Ambassador stellte die Sache so vor, als ob die Wahleines Fürsten und die Beurtheilung der Ansprachen der Präten-denten von den vier mit Neuenburg verbündeten Orten abhienge,während die Neuenburger selbst und allein darüber zu richtenhatten. Wenn es auch im Fürstenthum Neuenburg noch Unzu-friedene gab, so waren sie doch lange nicht so zahlreich, wie derAmbassador es darstellt. Der ganze Plan trägt so sehr denCharakter eines Hirngespinnstes, daß wir uns nicht wundernmüssen, daß nach allem Anschein der Minister gar nicht daraufeingieng, was den Grafen veranlaßte, schon in den ersten Tagendes Monats Mai 1713 ein anders Memorial dem Hofe ein-zureichen, in welchem er mit möglichst schwarzer Farbe die Feind-schaft von Bern schildert, wie früher auf die Nothwendigkeit dringt,Bern zu schwächen, und eben so träumerische Mittel angiebt. 5S )
") Bcil, Nr LX.