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Zweiter Band.
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Buch II. Kapitel IV.

Man kenne in Bern den Charakter des Erzherzogs und seinenunmäßigen Ehrgeiz; man sehe, wie er ganz Deutschland undItalien beherrsche. Man solle doch dieses Alles ernsthaft über-legen und bedenken, daß dem Papste nichts mehr am Herzenliegen werde, als den Katholiken zu helfen, die er als Unter-drückte betrachte, und daß vielleicht der Erzherzog, listiger alsder Papst, die Gelegenheit benutzen werde, wieder einen Fußin die Schweiz zu setzen, wo er nicht nur bei dem Abte vonSt. Gallen, den Priestern und Mönchen, sondern sogar beiganzen Kantonen Hülfe finden werde, welche glauben, daß ihreFreiheit seit dem Frieden von Aarau gefährdet sei, und dahermit Freuden sich einer Macht von ihrer Religion unterwerfenwürden, die ihnen schmeicheln wird, die Protestanten mit Ge-walt in den nämlichen Abgrund zu führen, in welchen sie sichvon selbst gestürzt haben.

Dieses seien die Früchte seines Nachdenkens. Sollten sie ihmeiniger Beachtung würdig scheinen, so solle er bewirken, daßsein Stand aufrichtig die Schweiz zu erhalten suche und sichoffen und fest an Frankreich anschließe. Er sei ihm dann Bürgefür die Folgen; aber wenn er glauben sollte, daß man, um dießzu erlangen, zu Allem Ja sagen und das Weiße für Schwarznehmen sollte, so würde es nie erhältlich sein, und Thormannsei zu gerecht, um es zu begehren.

Über diesen Brief äußerte der General St. Saphorin in einemSchreiben aus dem Haag vom 10. Wintermonat an den Schult-heißen Willading, derselbe sei ein seltenes Stück, voll der wun-derbarsten Wendungen der Gedanken. Es sei leicht zu bemerken,

Bd. IV. S. 4SI. Herr Thormann, an den dieser Brief gerichtet, warHerr von St. Christoph und Landvogt von Grandion- Er ward erst1710 in den großen Rath aufgenommen; aber in spätern Zeiten werdenwir ihn auf ähnlichen Sendungen wieder antreffen.