Pattle N.
142 Kap. 17. Von Tizians Bruder und Sohn, vom70. Horazio Vecelli.
Horazio hatte das Beyſpiel ſeines Vaters des Tizians bdieſes wuͤrde ihn bey weit geringern Talenten zur Kunſt und zur
eſtaͤndig vor Augen?Nachahmung gereitzt
haben. So aber war des Vaters Geiſt auf den Sohn gekommen, denn er wurde einſo treflicher Bildniß Maler, daß er in dieſem Stuͤcke dem Vater gleich kam, daher ihreEr verdiente auch Beyfall in hiſto-riſchen Gemaͤlden; den Brand des Pallaſt vom Doge malte er ſehr natuͤrlich ab;inſonderheit aber im groͤſſern Rathsſaal den Streit der Roͤmer mit dem kayſerlichenGefolge, bey Gelegenheit der Kroͤnung Kayſers Friedrich, des Rothbarts. Man hiel-te das Werk von der Hand des alten Tizians, der Sohn hatte allen Fleiß darauf ge-wandt, weil es gleichſam den Wettſtreit zwiſchen ihm, dem Tintoret, und PaulVeroneſe entſcheiden ſollte: darunter ſtund Romani familiam Imperatoris a pratoNeronis profecti ad molem Adriani aggrediuntur ad tentorium usque Imperatoris.Horazius begleitete ſeinen Vater nach Rom, alsund verfertigte bey der Gelegenheit viele Bildniſſe, inſonderheit wurde das von demVioliniſten Siciliano gelobt. Im Jahr 1548. reiſete er mit demſelben nach Deutſch-land, und erhielte von Carl V.eine Beſoldung von fuͤnf hundert Kronen. Er malte fuͤr denſelben eine Maria auf Stein. Weil er gerne viel verthat, ſo fiel er audas Goldmachen, brachte ſein Vermoͤgen durch, und ließ daruͤber die Malerey ganzliegen. Er ſtarb in dem beſten Alter im Jahr 1576. an der Peſt.
71. Giacomo Robuſti genannt Tintoretto.
Die roͤmiſche und florentiniſche Schule haben jederzeit der Venezianiſchen denMangel an Erfindung und Zeichnung vorgeworfen, weil ſie blos der Natur folgtenUnparteyiſche Kenner raͤumen denVorwurf ein, ſie wiſſen ihn aber gehoͤrig einzuſchraͤnken, und andere Verdienſte der
Arbeiten leicht mit einander verwechſelt werden.
und die Anticken wenig oder gar nicht ſtudirten.
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dieſer den Pabſt abmalen mußte,
Venezianer dagegen zu ſetzen. Tintoret hat inſonderheit viel leiden und ſich dieſeFehler vorwerfen laſſen muͤſſen, weil er wuͤrklich keiner groſſen Anweiſung genoſſen;denn ſein Lehrer Tizian, als er des jungen Tintorets Fahigkeit aus ſeinen geiſtreichenEntwuͤrfen abnahm, befuͤrchtete, daß er ihn uͤbertreffen moͤchte, und ſchloß ihn vonſeiner Schule aus. Er uͤbte ſich darauf allein, und ſein kuͤhner Geiſt trieb ihn zu ge-zwungenen Stellungen, er nahm ein hartes und ſo ſtarkes Colorit an, daß die Far-ben oft nur auf die Leinwand geworfen zu ſeyn ſchienen, und der Anſatz des Pinſelsdeutlich zu ſehen war. Er arbeitete aus einem angebohrnen hitzigen TemperamenMaler in Venedig ſo viel groſſe Werke
eifrig und geſchwind, daher faſt von keinemals von ihm geſehen werden.
Jacob Robuſti war zu Venedig 1512. gebohren, und erhielt von ſeinem Vatereinem Faͤrber, den Beynamen Tintoretto. Als er ſich gedachtermaſſen vom Tizian vetlaſſen ſahe, ließ er ſich nicht abſchrecken, ſondern ſuchte durch eigene Kraͤfte und Fleigroß zu werden. Er zeichnete unermuͤdet nach Basreliefs von Michael Angelo, unſtudirte heimlich nach Tizians Colorit; wie denn ſein Wahlſpruch hieß: des MichalAngelo Zeichnung, und Tizians Colorit. In Anſehung des letztern Theils der Kunſt/bediente er ſich des Raths und der Anweiſung von Andreas Schiavone. Weil Tintorett und Paul Veroneſe beyde als junge Maler groſſe Hoffnung von ſich gaben Jebefahl die Regierung, ihnen und dem Sohn des Tizians, drey Gemaͤlde in dem groſſemRaths Saale zu malen, und ihre Geſchicklichkeit gegen einander zu zeigen. UnſerKuͤnſtler malte die Kroͤnung vom Kayſer Friedrich dem Rothbart durch den Pabſt,
nebſt vielen Biddniſſen nach dem Leben; die Architectur der Gebäude auf dem Ge,m
aͤlde