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Caprera. Seiner Gesinnung nach neigte er mehr zu Deutschlandals zu Frankreich; hatte doch so eben erst Preussens Politik einvon dem italienischen Vaterlandshelden so lange vergeblich erstrebtesZiel, die Besetzung Roms und damit die völlige Einigung Italiens,möglich gemacht, während Frankreich zehn Jahre zuvor von diesemLande, als Lohn für seine Hilfe, zwei kostbare Provinzen und seineVaterstadt Nizza losgerissen hatte! Da brach das Kaiserthumzusammen, die Republik wurde vom französischen Volke ausgerufenund dieses, dem alten Recken von seiner Jugendzeit her als Idealvorschwebende Traumgebilde berauschte den italienischen Freiheits-kämpfer : „Franzosen, Skandinavier, Deutsche,“ schrieb er am6. September, „Alle sind meine Brüder. Wenn ich den Triumphder preussischen Heere ersehnt habe, so war mein einziger Beweg-grund das heisse Verlangen, den Sturz des fluchwürdigsten Tyrannender modernen Zeiten zu erleben.“ ') Er bot der Republik seinenDegen an : „Was noch von mir übrig ist, steht zu Eueren Diensten.“Die Regierung zögerte mit der Annahme. Aber Garibaldis Namehatte einen zu hinreissenden Klang, als dass er nicht von einerRotte Republikaner äusserster Richtung hätte benutzt werden sollen,um seinen Träger als Werkzeug für ihre weitgehenden Pläneherüberzuziehen. Die Befreiung des französischen Bodens von demfremden Eindringling galt ihnen nur als Mittel zum Zweck —nämlich zur Erreichung der allgemeinen Weltrepublik, für welcheFrankreich die Wege ebnen sollte. Waren es diese Bestrebungenallein, denen Bordone, der demnächstige Generalstabschef derVogesenarmee, die Hand bot, als er Garibaldi auf französischenBoden holte, oder leiteten ihn dabei eigensüchtige Beweggründe?Vielleicht Beides! Genug, Garibaldi, der wenige Tage zuvor nochseinen alten Waffengefährten gesagt hatte: „Mein Degen ist nurnoch ein Stock“, traf am 9. Oktober — „wie ein phantastisches Wesenaus der Mythologie der Revolution“ 2 ) — am Sitze der Volks-vertheidigungs-Regierung zu Tours ein.
„Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt,
„Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.“
Wie für Wallenstein könnte Schillers Ausspruch auch fürGaribaldi gelten. Von seinen Anhängern in die Wolken erhoben,war er für seine Gegner: Imperialisten, Royalisten und Klerikale,ein Gegenstand wüthenden Hasses, die Zielscheibe ihres Hohnesund Spottes. Und der Verlauf eines Vierteljahrhunderts hat nicht
*) L. N. 12 Anm. 1. — 2 ) Maz. 764.