Buch 
Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
Entstehung
Seite
96
JPEG-Download
 

96

würde an der Spitze der Truppe bessere Dienste geleistet haben,als im Stabe. Bordone äusserte sich in seinem Buche selbst einmaldahin, er würde dafür lieber den Aufklärungdienst vor dem Feindeeintauschen. Jedenfalls würde er in einer solchen Stelle nicht eineFülle von Gehässigkeiten gegen sich aufgehäuft haben. Daranwar aber in erster Linie sein heftiger, rachsüchtiger, jähzornigerCharakter Schuld, der ihn mit Jedem, der mit ihm zu thun hatteund ihm irgendwie unbequem wurde, in Streit brachte; seinen Gegnerverfolgte Bordone bis aufs Blut und scheute keine Mittel, seinenWillen durchzusetzen und jenen unschädlich zu machen. Fast aufjeder Seite seinesamtlichen Werkes kann man es verfolgen, wiediese Streitsucht sein ganzes Thun und Denken beeinflusste, zumNachtheil der der Vogesenarmee obliegenden Aufgaben. Denn wennBordone unzufrieden war, so übersetzte sich dies, nach FreycinetsMeinung, gleich auf seine Armee durch eine weniger lebhafteThätigkeit. Mit seiner südländischen Reizbarkeit und Ueber-schwänglichkeit ging seine Kaltblütigkeit, sein ruhiges Nachdenkenoft genug durch; er vermochte seine Einbildungskraft nicht durchsein Urtheil zu zügeln, 1 ) Eigenschaften, die allein ihn schon nichtfür die Stellung eines Generalstabschefs geeignet erscheinen liessen.Garibaldis und seine eigene Lage gaben ihm allerdings Anlasszu einem gewissen Misstrauen; aber er kannte darin keine Mässigungund machte keinen Unterschied; nnr zu oft liess er sich vom erstenEindruck fortreissen, beurtheilte alles im schlimmsten Sinne undtadelte alles, gleichviel ob er die Beweggründe der anderen Seitekannte oder nicht; durch jede Massregel, selbst seitens der Regierungfühlte er sich herabgesetzt und es kam ihm nicht im Geringstendarauf an, seinem Unwillen in den gewagtesten Ausdrücken und inunermüdlicher Wiederholung Worte zu leihen. Da er alles nuraus dem Gesichtspunkte der Vogesenarmee ins Auge fasste, so wurdeer in seinen Urtheilen häufig in hohem Grade ungerecht.

Wir haben gesehen, dass Gambetta erst, als Garibaldi mitseiner Abreise drohte, wenn man ihm Bordone nicht zur Seite beliesse,sich gefügig erwies. Von jetzt an bezeigte die Delegation in Toursdiesem hochfahrenden, herrschsüchtigen, unerträglichen Menscheuihr Vertrauen; sie ernannte ihn zum Brigade-General und hoffte,dass er Garibaldi mit fortreissen würde. Vergebens schrieb Challemel-Lacour, dass die Anwesenheit Bordones ein Anlass zur Entmuthigungund eine schwere Gefahr wäre. Gambetta antwortete, dass erBordono Garibaldi nicht nehmen könnte. 2 ) Denn dieser weigerte

i) L. N. 40. 2 ) Cli. 209.