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vor Tagesanbruch fortzusetzen. Um 5 Uhr erreichte er Chalindrey.Von hier begleitete Dessoffy den in tiefstem Schweigen, nur auf1 km an der preussischen Postenkette vorbeiziehenden, durch dendichten Nebel ihren Blicken entzogenen Transport bis Balesmes,wo er in Sicherheit war, während die Preussen den Bahnhof Cha-lindrey besetzten und den Telegraphen durchschnitten. Dessoffynahm darauf bei St. Maurice Aufstellung und wies die durch denTunnel von Culmont vordringenden Gegner durch das Feuer einerdorthin vorgesandten Kompagnie ab. 1 )
Lobbia stellte sich dem General Meyere zur Verfügung. Soviel diesem aber au der Munitions-Kolonne gelegen war, so wenigwar er mit der Vergrösserung seiner schon 15 600 Mann starkenGarnison um die mindestens 1200 Mann der 2. garibaldinischenBrigade einverstanden. Schon der Geist der Besatzung liess vielzu wünschen übrig, Fahnenflucht war an der Tagesordnung. DieGaribaldiner konnten die Stimmung nur verschlechtern. „In der2. Brigade der Vogesenarmee verhehlte eine grosse Anzahl Leutenicht ihre feste Absicht, sich nicht in den Festungslinien ein-schliessen zu lassen, sondern zu verschwinden, sobald der Augenblickeinträte.“ 2 ) Meyere empfing Lobbia übelwollend, weigerte sich,ihm die nöthigsten Ausrüstungsgegenstände zu geben und gewährteihm kaum das Unentbehrlichste an Lebensmittelen und Schiess-bedarf, ganz zu schweigen von der Weigerung, Letzterem aus demim Ueberfluss unbenutzt vorhandenen Feldgeschütz eine Batteriebeizugeben. 3 )
Inzwischen hatte Ricciotti am 11. Januar in Baigneux les Juifseine zu Lebensmittelanfordei ungen eingerückte preussische Kom-pagnie überfallen und ihr die beladenen Wagen wieder abgenommen.Am 12. erfuhr er zu Aignay le Duc 4 ) durch einen Bürger ausChätillon von der Truppenansammlung bei dieser Stadt und denauf 45000 Mann geschätzten Truppeudurchmärschen seit zwei Tagen.In der Nacht zum 13. wurden ihm durch Madame White-Mariobei ihrer Rückkehr von Chätillon, wie oben 5 ) erzählt, diese Nach-richten bestätigt, ergänzt und die Stärke der feindlichen Armeeauf 50 bis 60000 Mann angegeben, eine Kunde, die Ricciottischon um 5 V. seinem Vater durch sicheren Boten zugelien liess. 6 )Ausserdem erfuhr er zu Aignay den Vormarsch preussischer Ab-theilungen auf Villaines (Strasse Laignes-Baigneux). Dadurch sahsich Ricciotti in beiden Seiten bedroht, wenn er weiter in nördlicher
0 N. 65—71. — 2 ) Ebd. 56. — 3 ) Be. 428. — 4 ) Hier traf er 6 V.mit 1200 Mann mit 104 Pferden ein. Per. II402. — 5 ) S. 103. — 6 ) Per. II402.