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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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Nun schickten sich die lommern an, ihre Drohung wahr zu machen.Nachdem die Leichen des erschossenen Füsiliers und eines Mobili-sirten, welche im Hausflur lagen und die im Erdgeschoss befind-lichen französischen Verwundeten aus dem Schlosse geschafft waren,

In der ganzen Welt bekannt gemacht wurde der Vorfall durch dieschon mehrfach erwähnte Berichterstatterm der LondonerDaily News,Madame White - Mario, in einem in dieser Zeitung erschienenen, am20. Januar abgefassten Artikel, welcher in der No. 4(5 derAugsburgerAllgemeinen Zeitung vom 15. Februar übersetzt erschien und demDeutschen Kaiser unterbreitet wurde. Darin hiess es u. a.:Gestern sagtemir ein Krankenträger, dass im inneren Hofe (desAllgemeinen Spitals)der Leichnam eines Franktireurs liege, welcher lebendig verbrannt wordensei. Ich ging .... mit dem Lieutenant Davis und zwei badischenWundärzten hin. Von allem Schaurigen, was ich in diesen Tagen gesehen,war dies das Schaurigste. Der arme Bursche, seitdem als Capitaine einerRicciottischen Kompagnie erkannt, war an einen Baum gebundengewesen, die Spuren der Stricke waren noch an seinen Armen. DasFeuer war zu seinen Füssen a n g e z ün d et und erlangsamnach oben verbrannt worden. Sein Rücken, welcher dem .Baumzugewandt gewesen, war nicht vom Feuer berührt, Nacken und Gesichtunverletzt, ein Theil seines rothen Plaidhemds hing noch an ihm. Wahr-scheinlich waren die Uebeltliäter in ihrem ruchlosen Spiel gestört wordenund Aval' das Feuer erloschen, bevor das Opfer todt war u. s. w.

Auf Veranlassung des Kaisers wurde vom Kriegs-Ministerium überdie diesem Artikel zu Grunde liegenden Thatsaclien am 22. Februar 1871eine Untersuchung angeordnet, welche die völlige Grundlosigkeit derAngaben ergab uud auf Grund deren eine amtliche öffentliche Widerlegungerfolgte. Da es den Franzosen nicht darauf ankam, dieWahrheit an den Tag zu bringen, sondern vielmehr dengünstigen Stoff nach Möglichkeit auszunutzen, um den P re us sen-il ass zu schüren, sowurde auf diese dienstlichen Berichtigungenkeine Rücksicht genommen.

Bordone bringt in seinem 1871 erschienenen Buche die Erzählung(Bo. 341) mit dem Zusatz, dass man den noch lebenden Offizier vor demVerbrennen mit Petroleum begossen hätte! Coynart(0. 871 berichtet den Thatbestand sehr peinlich, enthält sich jedoch desUrtlieils, ob ein an sich fürchterlicher Zufall oder eine Tliat blödsinniger,unnützer und wilder Barbarei vorläge. Janin, der Chronist, der mit seinerDarstellung am meisten Schule gemacht hat, indem sie in die Mehrzahlder bezüglichen Schriften übergegangen ist, schreibt 1875 (Ja. II, 180)darüber folgendes :

Beim Eindringen in Schloss Pouilly finden die Deutschen 2 Ver-wundete von Saöne-et-Loire darin. Der Pächter, Herr Cornice, hatte siein den grossen Saal des Erdgeschosses bringen und den ersten Verbandanlegen lassen, als ihm selbst die Wade durch eine Kugel gestreift -wurdeund er sich verstecken musste. Da die Deutschen die Leute der GuerilladOrient (?) nicht aus den Dachböden zu vertreiben vermögen, wollen siesie ausräuchern. Sie häufen in Folge dessen auf der grossen Steintreppedes Hausflurs das Stroh und die Holzscheite, welche für die Mobilisirtenbestimmt waren, auf und legen Feuer an. Inzwischen man ahnt nicht,was zu dieser unerhörten Handlung Anlass gegeben hat wird HerrFontaine aus Chalou, einer der Verwundeten, von den deutschen Soldatenergriffen. Sie binden ihm kräftig die Arme vorn zusammen und werfenihn so geknebelt auf das Feuer der Treppe, w o d e r IJ n g 1 ü c k 1 i c h elebendig verbrannt wir d. Einer seiner Henker, der das Feuermit einem Arm voll Stroh nähren wollte, wird durch einen Gewehrschussvon den Leuten der Guerilla getödtet. Er iällt und wird theilweise eben-falls verbrannt.