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■wurde Reisig und Lagerstroh der Mobilisirten auf und unter derTreppe, sowie im Flur aufgehäuft und, nachdem Hauptmannv. Putlitz durch unausgesetzte Beobachtung des getödteten Offizierswährend dieser Vorbereitungen sich überzeugt hatte, dass er auchnicht das geringste Lebenszeichen von sich gab, die Strohbündel
In einer Anmerkung hierzu sucht Janin auf Grund der Aussage■eines Korporals der Saöne-et-Loire nachzuweisen, dass der Leichnam,wie auch die auf Bordones Befehl von M. Guipet zu Dijon aufgenommenePhotographie desselben kund tliäte, auf der linken Seite gebogen unddaher die rechte Schulter, durch welche die Kugel eingedrungen war,den von oben kommenden Schüssen dargeboten hätte. Die Niederträchtig-keit, mit welcher einzelne französische Schriftsteller bei der Aufstellungihrer Beweise vorzugehen belieben, erhellt sofort durch einen Blick auf■die in Dormoys Werk „Les trois batailles de Dijon“ wiedergegebenePhotographie, aus welcher klar zu erkennen ist, dass der Mann gleich-mässig auf beiden Schultern gelegen hat, und zwar so, dassdiese gegen eine höhere Stute gelehnt erscheinen und durch sie verdecktsind, so dass sie von oben her unmöglich getroffen werden konnten.
Es würde zu weit führen, die weitere Entwickelung der Legende•durch die überaus fruchtbare Phantasie der Franzosen zu verfolgen. Ich■erwähne nur noch eine Lesart, wonach der an einen Baum gebundeneGefangene zuerst ä la Indianer mit einem Scheiterhaufen umgeben unddann verbrannt wurde! Von deutscher Seite sind die verläumderischenDarstellungen wiederholt in sachgemässer, ruhiger und gründlicher Weise
— z. B. in Schreibers Geschichte des 21. Infanterie-Regiments — wider-legt worden und man hätte hoffen dürfen, dass der seitdem verflosseneZeitraum von mehr als einem Vierteljahrliundert genügt haben könnte, umdie erhitzte gallische Einbildungskraft etwas abzukühlen. Darum mussman im höchsten Grade erstaunen, w,enn ein Mann, wie P. — A. Dormoy,professeur special de geographie ü l’Ecole primaire sujierieure municipaiColbert, noch in seinem 181)-i erschienenen Buche: ,,Les trois batailles deDijon“ sein 1888 in den „Souvenirs davantgarde“, vol. V. aufgetischtesMährclien nochmals aufwärmt: man höre, in welcher gehässigen Weise■(!>. 360) :
„Zum Schluss regte dieser Widerstand einer Handvoll Leute (im■oberen Stockwerk des Schlosses), welche auf 150 geschätzt wurden, diesefast sämmtlicli betrunkenen Soldaten bis zum äusserstenGrade auf. Sie kamen auf folgendes Auskunftsmittel: In einem Saaledes Erdgeschosses verlassen, seufzte einer unserer Verwundeten auf einemStuhle ; der Pächter versuchte ihn hier zu verbinden. Die Wunde bestandnur in einem einfachen Riss — (! nach dem Bericht Kaisers war dieOeffnung so weit, dass man bequem mit einem Finger hineinfahrenkonnte und hatte keinen Ausgang; die darin gefundene, sehr deformirteKugel schien ihrer Schwere nach von einem Minie-Gewehr herzurühren.A. d. V.)—, welcher auf der Rückseite der Schulter durch einen Granat-splitter entstanden war. Mit einem Kolbe nstoss ins Gesicht
— (eine im Gesicht Vorgefundene Quetschung wird wahrscheinlich durchAufschlagen auf die Kante einer Treppenstufe beim Fall entstandensein. A. d. V.) — wälzten sie ihn zu Boden. Sie banden ihm die Hände,wahrscheinlich mit einem der Verbandtücher. Auf die ersten Treppen-stufen streuten sie Holzscheite und Stroh. Darauf warfen sie den nochlebenden Verwundeten, besprengten ihn mit Petro-leum und legten Feuer daran. Von oben schossen die Fran-zosen auf das Feuer, um es zu ersticken und tödteten aufder Stelle einen der Preussen, die die Flamme nährten. Eins ihrerGeschosse, sei es absichtlich, sei es zufällig, zerschmetterte das Rückgratdes Märtyrers und kürzte so seine entsetzliche Todesqual. Durch dasGeschrei des Verbrennenden, durch den Geruch des Rauchshofften die Pommern auf diese Weise unsere Kameraden zu bezwingen.“
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