Buch 
Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
Entstehung
Seite
357
JPEG-Download
 

357

Eine Funkengarbe, schreibt Ledeuil 4 )stieg plötzlich zum erstenStockwerk empor und sank als Feuerregen wieder hinunter. Eindicker und scharfer Qualm erfüllte das Gelass; die beiden Frank-tireurs glaubten an einen Brand, eilten mit den Stubeneimernherbei und gossen das Wasser vom oberen Flur auf die Brand-stätte. Der erwartete Erfolg blieb nicht aus. Nach preussischenAngaben kamen die Vertheidiger einzeln die Treppe herabund ergaben sich, Einer bahnte sich mit dem Kolben denWeg durch die Pommern nach dem Hof, wurde aber dortdurch einen Schuss niedergestreckt; ausserdem 2 ) sprangen etwa80 Mann der Besatzung aus den Fenstern der Rückseite des Ge-bäudes auf den Hof hinab und vermochten sich meist zu retten,Einige, die den Kampf fortsetzen wollten, wurden erschossen. DieseWirkung wird von mehreren französischen Schriftstellern bestritten ;u. a. behauptet Bordone, 3 ) das Schloss wäre n i e ganz von denFranzosen verlassen worden, es hätten sich vielmehr in den oberenRäumen, selbst nachdem sich die Preussen in Besitz des unterenStockwerks gesetzt hätten, einige Bruchtheile verrammelt und denWiderstand fortgesetzt. Colonel Fornel berichtet 4 ), dass LieutenantVachia und Adjutant Blanda und einige Franktireurs im Besitz desSchlosses geblieben wären, was von Ledeuil 5 ) dahin erläutert wird,dass dieselben sich nach Einnahme des Schlosses durch die Preussenversteckt hielten, von den die oberen Räumlichkeiten Durchsuchendenunbemerkt geblieben und Abends nach Räumung von Pouilly frei-

Uebrig-ens Hessen die Franzosen den traurigen Vorfall nicht wiegeduldige unschuldige Lämmer über sich ergehen. Dormoy erzählt selbst(D. V. 228):Diesmal brach die Erbitterung in Vergeltungsmassregelü aus.Stehenden Fusses wur d en P o m m e r n in den umliegen-den Feldern todt geschlagen. Das preussisclie bei Dijongefangene Feldlazarett! wäre beinahe niedergemachtworden. Garibaldi geisselte das schmachvolle Verbrechen in einerAnkündigung. Jessie Mario veröffentlichte den Bericht darüber, in denDaily News.

Im Gegensatz zu den übereinstimmenden Angaben der gerichtlichvernommenen preussischen Augenzeugen, wonach der Verbrannte einOffizier gewesen, behauptet die Mehrzahl der französischen Bericht-erstatter, er wäre nur ein gemeiner Nationalgardist der Saone - et - Loire,Jean Josephe Fontaine, 24 Jahre alt, gewesen. Da bei diesem Gefechts-moment nur Theile der 2. und 3. Legion thätig waren, so ist es sonderbar,dass in den von Pellissier (Pel. 143) gegebenen namentlichen Verlustlistenweder unter den Todten noch Verwundeten sich einOffizier oder Mann dieses Namens befindet. Es istnicht anzunehmen, dass gerade eine in so auffallender Weise ums Lebengekommene Person aufzulühren vergessen sein sollte. Mehr Wahrschein-lichkeit hat die Annahme, dass es sich hier um einen Offizier der nachfranzösischen Quellen betheiligten Guerilla marseillaise handelte.

i) LdE. P. 19. 2 ) öch. 393. 3 ) Bo. 341. 4 ) Bei Pel. 104.s ) LdE. P. 21.