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Preusse bewaffnet in die Fabrik gedrungen wäre. „Bei der erste»Salve stürzten sechs der Kühnsten einige Schritte vor dem äusserenGraben (der sich unmittelbar um die Mauern herumzog, A. d. V.).Ein Einziger erreichte lebend die Umfassungsmauer und lehnte sichan die kleine Hinterthür, wie Jemand, der sich vor dem Kegenschützen will. Ein Franktireur bog sich aus dem Fenster unddurchschoss ihn von oben nach unten. Gewissermassen wie vomBlitze getroffen blieb der Pommer, auf sein Gewehr gestützt, inder Nische an der Thür gelehnt aufrecht stehen. In dieser Stellunghaben wir ihn bis zum folgenden Tage gelassen, eine Leichenwacheüber die Körper der Kämpfer.“*)
Preussische Berichte können selbstverständlich von einemEindringen in die Fabrik nichts wissen, da ihnen das Vorhandenseinder Hinterthür verborgen geblieben ist. Jedenfalls geht aber ausden französischen Angaben hervor, dass eine Anzahl der An-greifer sehr nahe an das Gebäude herangekommen war. EinErstürmen desselben, sowie der über 6 Fuss hohen Mauerwäre bei Mangel eines Einganges auf der Angriffsseite und bei.der Höhe der unteren Fensterreihe über dem Erdboden ohneBreschelegung durch Artillerie überhaupt undenkbar gewesen; dieBeschaffenheit des Gebäudes in seinen unteren Theilen war, wieerwähnt, von der Grube aus nicht zu erkennen, mithin dem An-greifer unbekannt geblieben. Daraus dass von denjenigen fran-zösischen Schriftstellern, welche die Hinterthür überhaupt nichterwähnen, niemals auf die Widersinnigkeit eines Angriffes gegeneine eingangslose Front hingewiesen worden ist, lässt sich folgern,dass sie das Vorhandensein eines Zugangs als selbstverständlichangenommen haben.
Ueber das Scheitern des Bestrebens, die Fabrik zu nehmen,•berichtet Tappaz weiter: „Die Genauigkeit unseres Feuers macht
i) .So romantisch diese Geschichte auch klingt, so scheint siedoch auf Wahrheit zu beruhen. Lieutenant Gladisch, welcher nach derEinnahme von Dijon am 1. Februar von Oberst-Lieutenant Weyrachzusammen mit Premier-Lieutenant Luchs zur näheren Erforschung dermit dem Ealinenverlust zusammenhängenden Verhältnisse beauftragt war,hat persönlich an der Wand neben der kleinen Thür den blutigen Ab-druck einer Hand, und am Eussboden die Spuren einer grossen LacheElut gesehen und von den Bewohnern der Fabrik auf Befragen erfahren,dass ein Musketier gegen die Thür vorgedrungen wäre, mit dem Gewehr-kolben versucht hätte, dieselbe einzuschlagen und dabei von den Ver-theidigern des ersten Stockwerks ans den Fenstern erschossen wordenwäre. Auch Tappaz (a. a. O.) bestätigt diesen Vorfall: „Einer von ihnen
f elangt sogar bis zu der kleinen Pfort^ der Fabrik, wo er von einemranktireur getödtet wird, welcher sich über die Umfassungsmauer beugtund ihm eins auf das Gehirn brennt.'“