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er immer in freundlichen Beziehungen gestanden hatte, des Inhalts,dass General Garibaldi, in der Absicht, die Fahne in Sicherheitzu bringen, ihn bitten lasse, sie bis zum Schluss der Feindseligkeitenaufzubewahren. Steenackers erklärte sich damit einverstanden undschickte zur Empfangnahme und sicheren Ueberführung der Trophäeeinen Telegraphen-Beamten als Vertrauensmann nach Dijon. 1 ) DieseHeimlichkeit der Uehersendung ist gewiss auffallend. Bordone suchtsie durch Unkenntniss der für solche Gelegenheiten üblichen Formenin seiner Eigenschaft als bürgerlicher General zu entschuldigen. 2 )Es ist immerhin anzunehmen, dass eine Absicht — unbekanntwelche — Vorgelegen hat, die Fahne zunächst zu verheimlichen.Nach Steenackers’ Angabe kam der Bote mit ihr acht Tage späterin Bordeaux an und „in ihrem Wachstuchüberzug schlief sie sorglosund ruhig in einem Winkel seiner Stube.“ Dort hinter demKamin fand sie Bordone am 12. Februar, als er zur Eröffnungder National-Versammlung nach Bordeaux kam. 3 )
Steenackers erzählt ausführlich, dass, nachdem nach der Ueber-gabe von Paris die bisher dort eingeschlossen gewesenen Mitgliederder Itegierung der Volksvertheidigung in Bordeaux eingetroffenwären, der Kriegs-Minister, General Leflö, bei einem Besuche sichnach dem dunkelen Gegenstände in der Ecke des Kabinets erkundigthabe, worauf er die Fahne habe entfalten lassen (welche „zwei bisdrei Auszeichnungen zur Erinnerung an die Waffenthaten desRegiments, dem sie angehört hatte, trug“). Es entwickelte sichnun folgendes Gespräch: „Wie kommt es“, fragte der General,
St. 590. In vorstehendem Brief hiess es : „Dijon, den 24. Januar 1871.Mein lieber Steenackers . . . Wir sind siegreich. Jeder hat seineSchuldigkeit gethan. Ricciotti hat sich als Held bewiesen. Er hat sichder Fahne des Fommerschen Regiments No. (11 bemächtigt. Da dieseTrophäe werthvoll, aber uns bei unserem täglichen Quartierwechsel störendist, so senden Sie einen Vertrauensmann, dem wir sie übergeben können.Der General wünscht, dass Sie sie bis zum Schluss der Feindseligkeitenauf heben. Antworten Sie durch Depesche u. s. w. Von Herzen derIhrige, (gez.) General Bordone.“ (Eba. 149). — Bordone stellt den Her-gang etwas abweichend dar (Bo. CdE. 218); er sagt: da er am 24. Januaran Steenackers eine Sendung preussischer Beutestücke (trophees), umdie er gebeten hätte, abzufertigen gehabt, so hätte er, um von der Abreiseeines nach Bordeaux zurückberufenen Telegraphen-Unterbeamten, NamensTreille (Bo. M. 10G), Nutzen zu ziehen, die Fahne in dieselbe Kiste mit"Waffen, Airsrüstungsstücken und Helmen verpackt und an Steenackersmit der Bitte, die erstere an Freycinet auszuhändigen, überschickt. Erkündigte Steenackers die Sendung gleichzeitig am 24. Januar 2)1 A. mitder Depesche an (Per. II 745, No. 7493): „Werdet befriedigt werden. IhrVertrauensmann wird der Regierung zu Bordeaux die erste, der preussischenArmee abgenommene Fahne bringen. Sie ist prächtig, die Erndte anTrophäen ist überreich: es wird Ihnen sofort eine vollständige Kistedavon übersendet“ u, s. w. — % ) Bo. CdE. 218. — 3 ) Bo. 345 Anm.