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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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dass sich diese Fahne hier befindet ?Weil Garibaldi sie miranvertraut hat.Warum denn gerade Ihnen persönlich?Weil er offenbar Vertrauen zu mir hat, antwortete ich etwasgereizt durch diese Frageweise.Es will mir scheinen, als obdie Fahne im Kriegs-Ministerium am richtigen Orte wäre und esdürfte sich empfehlen, sie dorthin zu schicken.Sie mögenvielleicht Recht haben; Sie werden aber Nichts dagegen haben, wennich die Ankunft des Generals abwarte, bevor die Uebersiedelung vor-genommen wird.Ich werde darüber im Ministerrath berichten,sagte der Andere trockeD.Wie Sie wollen, antwortete ich,aber das wird Nichts an meinem Entschluss ändern.

Steenackers will nun am Abend der Ankunft Garibaldis inseiner Eigenschaft als Abgeordneter für Nizza diesem die Angelegen-heit zur Entscheidung vorgetragen haben.Oie Fahne gehörtFrankreich antwortete der General,geben Sie sie ab, meinFreund, und fügen sie sich in die Ordnung. Am 14. Februarübergab sie Steenackers der Regierung, nicht ohne sich einenEmpfangsschein ausstellen zu lassen. 4 )

Nun blieb die Fahne lange verschollen. Dormoy 2 ) rühmtsich, durch seine Nachforschungen Aufklärung verschafft zu haben.Da er im Verzeichniss der Trophäen in der Invaliden-Kapelle dieFahne nicht aufgeführt und im Kriegs-Ministerium kein Entgegen-kommen fand, so sollte eine Umfrage der ZeitungLyon republicainin der Oeffentlichkeit Klarheit bringen. Es ergab sich, dass die Fahneschon 1871 nach Paris überführt und im Ministerium des Innernbis 1877 in Verwahrsam genommen worden war. Darauf wurdesie durch Marschall Mac Mahon, den damaligen Präsidenten derRepublik, sobald er davon erfuhr, befreit und dem Kriegs-Ministerium überwiesen. Von da kam sie, unbekannt auf wessenBefehl, 1885 ins Artillerie-Museum, 3 ) wo sie im Katalog unterNo. 4595 am 6. Oktober 1885als aus den Feldzügen des erstenKaiserreichs herrührend aufgeführt war. 4 ) Am 20. April 1888endlich wurde sie auf Erlass des Kriegs-Ministers vom 11. April

') Derselbe lautet:Die Unterzeichneten Mitglieder der Volks-Ver-theidigung erkennen an, am 14. Februar 1871 11 V. aus den Händen desHerrn Steenackers. General-Direktors der Telegraphenlinien, die Fahnedes 61. Regiments der preussischen Armee entg-egengenommen zu haben.Diese im Gefecht vom 23. Januar 1871 unter den Mauern von Dijondurch die unter dem Befehl von Ricciotti Garibaldi stehenden Truppeneroberte Fahne war Herrn Steenackers anvertraut gewesen, um sie derRegierung zu übergeben. Bordeaux, den 14. Februar 1871. (Folgen dieUnterschriften.) 3 ) D. V. 200 ff. 3 ) Nach Angabe des KonservatorsColonel Robert. LdE. Dr. 42. 4 ) D. V. 295.