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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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die Ueberzeugung gewonnen, dass die ausgezeichnete Bravourdes Bataillons, welches wie die Umstände lagen Unmöglichkeiten zu unternehmen versuchte,jeden Vorwurf von demselben fern halten muss,und indem ich mich der Ansicht des Generals der Infanteriev. Pransecky auschliesse, wage auch ich die ehrfurchtsvolle Bitteauszusprechen, dass Seine Majestät der Kaiser und König Aller-gnädigst geruhen möge, dem braven Bataillon statt der in ehren-voller Weise verlorenen Fahne eine neue huldvollst zu gewähren. 1 )Schon vorher, bei Gelegenheit der am 14. März zu Nancyüber das Landwehr-Bataillon Stolp abgehaltenen Parade, hatte derKaiser zu dem als Zuschauer anwesenden schwer verwundetenSekond-Lieutenant Janke 2 ) des 61. Regiments, späteren Kommandeurs

') Kr. A. K. II. 8. S. 353. 2 ) Der am 21. Januar bei Messignyverwundete damalige Lieutenant Janke, welcher in den folgenden Tagenauf dem Schlosse zu Is sur Tille lag, w r ill sich erinnern, dass am 21.General v. Kettler bei einem Besuch daselbst erzählt habe, dass Ricciottiilun an diesem Tage durch einen Parlamentär seine Absicht habe mit-theilen lassen, dem Gl. Regiment die Bahne, weil sie nichterobert, sondern nur auf dem Schlachtfelde gefundenworden wäre, zurückzustellen. Auch Hauptmann a. D.Henkel, der am 29. Januar Abends mit den die Waffenstillstands-Nachrichtüberbringenden Offizieren aus Garibaldis Hauptquartier die Stunden bis zumEintreffen der Antwort Kettler s auf Vorposten zu Savigny-le-Sec ver-bracht hatte, glaubt sich zu erinnern, dass Herr Münz, Befehlshaber derGenietruppen der Vogesenarmee, erzählt habe. Ricciotti hätte die Absicht,die Fahne dem General Kettler zurückzugeben.

Um ein solches Vorhaben, welches allem Kriegsgebrauch zuwiderwäre, glaubhaft zu machen, bedürfte man schriftlicher Beweisevon Ricciottis Seite. Es ist anzunehmen, dass, wenn Parlamentärewie zu p. Henkel, so zu General Kettler derartige Aeusserungen gethanhaben, sie ihre eigenen Vermuthungen ausgesprochen haben; dennRicciotti selbst hat in einem, imPetit Nicjois vom 3. Dezember 1890veröffentlichten, als Antwort auf eine bezügliche Anfrage des Militär-schriftstellers Ledeuil dEnquin gerichteten Schreiben diese Angabeals durchaus unzutreffend zurückgewiesen. Der inter-essante Brief lautet:

Geehrter Herr!

Ich danke Ihnen, dass Sie mir einen Zeitungsartikel mitgetheilthaben, welcher über die Wegnahme der Fahne des 61. PommerschenRegiments im Jahre 1870/71 Aufklärungen ertheilt, die mich interessiren.

Ich glaube nicht, dass mit Bezug hierauf ein Schriftwechselzwischen den Generalstäben der beiden feindlichen Armeen, welche sichin Burgund gegenüberstanden, stattgefunden hat.

Aber es ist sicher ein Brief von mir vorhanden, entweder an denKommandeur der Einundsechsziger oder an General v. Kettler icherinnere mich nicht mehr, an welchen von ihnen, aber ich glaube, anden Ersteren (Oberst z. I) Weyrach hat Anfangs 1897 schriftlich demOberst Janke die Vermuthung ausgesprochen, dass der Brief an GeneralManteuffel gerichtet gewesen wäre. A. d. V.) und von diesem Briefhabe ich unglücklicher Weise die Abschrift nicht aufbewahrt.

Seine Veranlassung war folgende:

,Während der Räumung von Dijon fanden meine Franktireurseinen verwundeten preussischen Artillerie-Offizier (? A. d. V.) auf.