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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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an der Leitung der Operationen Theil zu nehmen, Abmachungentraf, die eine gewisse Sicherheit für die Ausführbarkeit der«rsteren gewährten. Aber Bordone suchte Ausflüchte: zu Freycinetsgrösstem Erstaunen telegraphirte er ihm am 5. Januar, die mit deSerres verabredeten Operationen hätten sich nicht auf Dijon bezogen. 1 )Freycinet trug selbst noch zur Unklarheit der Garibaldi gestelltenAufgabe und zu der Begünstigung von Ausflüchten in Folge dessendadurch bei, dass er am 7. Bordone schrieb, er wäre voller Ver-trauen, wenn er daran dächte, dass die Linie von Dijon nachAu tun durch die Vogesenarmee sorgfältig bewacht würde. 2 )Schriftliche Abmachungen hätten diese unklaren Verhältnisse un-möglich gemacht.

Es fragt sich nun: war Garibaldi nach der ganzen Sachlageund mit den ihm zu Gebote stehenden Streitkräften im Stande, dieSicherung der 9 deutsche Meilen langen Strecke mit Erfolg zuübernehmen? Die in seiner Person liegende Schwierigkeit nöthigtedas Kriegs-Ministerium zu einer zweiten Halbheit, die das Gelingenbeeinträchtigen musste. Weil jeder französische General sich weigerte,unter Garibaldis Befehl zu treten, hatte man nicht gewagt, zuDijon den General Pellissier mit seinen mobilisirten Nationalgardenihm zu unterstellen. So hatte man das vom militärischen Stand-punkte unglaubliche Schauspiel, zwei koordinirte Befehlshaber andem nämlichen Orte mit gleicher ein und derselben Aufgabebeauftragt zu sehen, welche, ihrer Natur nach, das Ziehen einerscharfen Grenzlinie zwischen den Wirkungskreisen Beider unthunlichmachte! Wenn Pellissier auch, in der Erkenntniss dieser Unzu-träglichkeit, Garibaldi freiwillig für den Fall eines feindlichen An-griffs auf Dijon seine Truppen zur Verfügung stellte, so kamendoch, wie wir gesehen haben, so viele Beibungen und Eifersüchte-leien vor, dass an eine Einheitlichkeit der Befehlsführung nicht zudenken war und dass die Operationen dadurch nachtheilig beeinflusstwerden mussten. Der Kriegs-Minister scheint sich die Lage sovorgestellt zu haben, dass dem General Pellissier mit den Mobili-sirten die eigentliche Sicherung von Dijon, der Operationsbasis derOstannee, Garibaldi dagegen mit der Vogesenarmee, gestützt aufdiese Stadt, der Schutz der Verbindungen Bourbakis in der Liniezwischen ihr und Langres oblag. Dieser Gedanke war gewiss einrichtiger: um ihn aber ins Leben treten zu lassen und wirksam zumachen, musste man Garibaldi von Autun nicht nach Dijon, sondernunmittelbar nach Gray befördern. Dieser Punkt durch Feld-

] ) Per. I. 632 No. 7157. =*) Ebd. 643 No. 7850.