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hier unter keinen Umständen verloren werden, auch nicht einTag — wenn überhaupt zu diesem vorgerückten Zeitpunkte nochetwas zu erreichen war. Aber Bordono wollte vielmehr für seineZwecke Zeit gewinnen — um nichts zu thun. Anstatt sich tele-graphisch über die Lage dev Ostarmee von Clinchant Aufklärungzu holen, schickte er an ihn zu diesem Zwecke seinen Sohn am29. A. mit einem Briefe! —
V. Wie lässt sich Garibaldis Unthätigkeit erklären ?
Es fragt sich nun, wie sich Garibaldis Unthätigkeit erklärenlässt? Da giebt es nur zwei Möglichkeiten: entweder er hatBourbaki nicht unterstützen wollen oder er hat geglaubt, es nichtzu können. Am leichtesten Hesse sich zweifellos das Räthseldurch die erstere Annahme lösen. Seine politischen Feinde habenbis auf den heutigen Tag nicht unterlassen, dies zu thun: derKrieg wäre für ihn nur die günstige Gelegenheit gewesen, umseinen international-politischen Zwecken zum Leben zu verhelfen;nur deshalb sei er nach Frankreich gekommen, nicht, um ihm zuhelfen. Auf Vorstellungen, die wegen seiner hartnäckigen Unthätig-keit erhoben -worden wären, hätten seiue Offiziere geantwortet:„Wir sind gekommen, um die Republik einzurichten und zu ver-theidigen, aber nicht, um uns mit den l’reussen zu schlagen.“ 1 )
Eine sonderbare Aufklärung aus Garibaldis eigenem Mundebringt Dormoy, 2 ) dem wir dafür die volle Verantwortung überlassenmüssen. Er erzählt, dass man in Dijon nicht begriffen habe, warumGaribaldi seinen Sieg nicht ausbeuteto. Da diesem etwas Neugierseitens seiner Vorhuttruppen nicht zu missfallen pflegte, so hättenam 25. Januar einige Franktireuroffiziere ihn ganz offen nach seinenGründen gefragt. „Er antwortete schroff: „ „Wozu soll das dienen?Ihr würdet Mauteuffel allein gegenüberstehen, wie ihr allein vorWerder gestanden habt. Gegen Ende November 1870 haben wederBourras noch Cremer ihr Pulver mit uns zu verschiessen geruht.Aber sie geruhten wenigstens mit mir zu reden oder mir zuschreiben. Heute scheint’s, verdiene ich nicht einmal mehr, dassman mit mir spricht, dass man mir schreibt oder telegraphirt.Während der dreitägigen Schlacht, die ihr eben gewonnen habt,hat euer Gambetta selbst versucht, Besangon und Dijon zu einereinzigen Unternehmung zu vereinigen. Dieser Versuch ist miss-glückt. Der Mann von Besangon zuckt die Achseln, wenn meinName vor ihm ausgesprochen wird. Während also der Franzose
>) Ve. Gl. — 2 ) Dor. 375