Buch 
Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
Entstehung
Seite
598
JPEG-Download
 

598

Volkes, nicht das hätte leisten können, was er thatsächlich erreichthat. Wir halten ihn einer solchen gemeinen Denkungsweise nichtfür fähig. Für unsere Auffassung sehen wir einen Beweis darin,dass er sich in Frankreich von allen Bestrebungen radikaler Politikfernhielt, sondern sich der anerkannten Regierung der National-Vertheidigung anschloss. Wie leicht hätte er es gehabt, die Führungder feurigen Radikalen der Südprovinzen zu übernehmen: dieWege hatte ihm der Gemeinderath von Lyon, der ihn zum Ober-befehlshaber der Truppen und zum Regierungsmitglied machenwollte, bereits gebahnt. Ein Kleines wäre es ihm gewesen, spätersich an die Spitze der Pariser Kommune zu stellen. Er blieb rubigin Caprera, wohin er arm zurückgekehrt, wie er gekommen war.Auch seine Gesinnungsgenossen in der Vogesenarmee versuchte ernicht zum Beitritt zur Kommune zu beeinflussen; sie und ihreFührer blieben ihr fern, selbst Bordone stellte sich behufs ihrerordnungsmässigen Entlassung loyal auf die Seite der Regierung.

Somit bleibt uns nur die Erklärung, dass Garibaldi sich nichtfür in der Lage hielt, der Ostarmee wirksam zu Hilfe zu kommen.Vielleicht trifft eine Aeusserung de Serres vor dem Untersuchungs-Ausschuss zu:Logisch ist General Garibaldis Haltung vielleichtnicht zu erklären, und sie kann es nur durch eine moralische undphysiologische Analyse seines Charakters werden .... DerGeneral hatte den Grundsatz, immer nur sicher zu gehen (de nejamais sengager qu ä coup sür), 1 ) was allerdings vorsichtiger ist,aber niemals gestattet, das Maximum des Erreichbaren zu gewinnen. 2 )

Wir haben gesehen, dass Garibaldi kein rechtes Zutrauen zuseinen Truppen hatte; er hatte Feldzüge genug mitgemacht, umeinen Blick für die Leistungsfähigkeit derselben zu haben; er glaubtenur auf 6 bis 8000 Mann zählen zu können: damit waren grössereund weit ausgedehnte Operationen, die etwa zu geregelten Treffenführen konnten, nicht zu unternehmen. Von der Unzuverlässigkeitseiner Mobilen hatte er im November mehrfache unumstösslicheBeweise gehabt; Gleiches iu Betreff der Mobilisirten befürchten zumüssen, dazu genügte seinem Soldatenauge schon ihr Anblick.Unter diesen Umständen war für Garibaldi eine gewisse Vorsichtgeboten.

') De Herres hat diese stenographisch aufgezeichnete Aussage beider Korrektur dahin abgeschwächt, dassder General Garibaldi denGrundsatz hatte, sich niemals auf eine Operation einzulassen, welche erals seine Kräfte übersteigend ahschätzte.