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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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Aehnlich erklärt Herr de Darcy vor dem parlamentarischenAusschuss Garibaldis Verhalten, wenn er sagt:Man glaubt inder That im Lande, dass Garibaldi . . . wie soll ich mich aus-drücken? . . . sich sehr schonte. Er suchte die Kämpfe mit denPreussen nicht auf, das springt in die Augen, das ergiebt sich ausseinem Benehmen von selbst. Er hatte eine politische und mili-tärische Legende unangetastet zu erhalten; er zählte nur mässigauf seine Truppen; die preussische Armee war furchtbarer, als dieneapolitanischen Soldaten, es ist natürlich, dass er vorzog, es beieinigen Patrouillenzusammenstössen bewenden zu lassen.

Es ist nicht zu leugnen, dass die preussischen Truppen-bewegungen, namentlich des Generals Zastrow, in der ersten Januar-hälfte geeignet waren, Garibaldi zur Ansicht zu führen, dass esauf eine Bedrohung von Dijon abgesehen wäre. Es ist auch er-klärlich, dass er die ersten Bewegungen der Südarmee, das Vor-schieben ihrer Vorhut und Seitendeckungen am 12. und 13. Januarin gleichem Sinne auffasste. Aber in den folgenden Tagen häuftensich die Meldungen über die eigentliche Richtung, welche die feind-lichen Kolonnen einschlugen, dermassen, dass bei ruhiger IJeber-legung ein Zweifel, sie seien nicht unmittelbar gegen Dijongerichtet, nicht mehr obwalten konnte. Natürlich war Garibaldihierin, besonders bei seinem bedenklichen Gesundheitszustände, vonder Auffassung seiner Umgebung abhängig und von dem, wasdiese für gut fand, ihm mitzutheilen. Bei ihr machte sich auchhier wieder der Mangel an militärischem Blick und Schulungfühlbar. Bordone liess in übergrosser Besorgniss oder Vorsicht,und in der vorgefassten Annahme, der Gegner könnte es nichtwagen, an einer Armee von 40 bis 50000 Mann zur Seite,einfach vorbeizumarschiren, ohne sie anzugreifen, über Stärke, Be-wegungen und Endziel der Preussen täuschen. Wie lange die Täu-schung bei Bordone anhielt, ist schwer zu ergründen, möglicherweisehatte er noch bis zum 19. die Befürchtung, angegriffen zu werden. Wenn-.er aber schon vorher zur Klarheit gekommen sein sollte, so lag esganz in seinem eitlen und hochmüthigen Charakter, dass er seinenIrrthum nicht eingestehen wollte, sondern es vorzog, die Folge-rungen daraus zu ziehen, komme darnach, was da wolle. Machteihn im ersten Falle die Besorgniss um Dijon völlig blind, so dasser die wirklichen Vorgänge nur von diesem Standpunkte aus ganzfalsch beurtheilte und in diesem Sinne der Regierung die ein-gehenden Meldungen darzustellen und auszulegen sich bemühte, um