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Zum absoluten König fehlte Ludwig XVI. der schöpfe-rische, thatkräftige Herrschergeist, und als konstitutionellerKönig wurde er durch das Vorurtheil beirrt, er dürfeseinen Ministern nicht zu großen Einfluß einräumen, weildie königliche Autorität darunter leiden könnte.
Einen viel bestimmteren Charakter hatte die Königin.
Kaum 15 Jahre alt hatte Marie Antoinette alsDauphins von Frankreich die höchste Stellung erreicht,die eine Frau sich wünschen kann. In ihrer eigenenFamilie hatte sie glückliche Kinderjahre verlebt, daher siedenn auch mit ganzer Seele an ihrer Mutter, der Kaise-rin Maria Theresia , hing. Ihren Geschwistern hatteMarie Antoinette ein treues Herz bewahrt, was aus ihrerKorrespondenz mit ihrem Bruder (dem Kaiser Joseph )und ihrer Schwester (Christine von Sachsen-Teschen )deutlich hervorgeht.
Aus der patriarchalischen Hofburg in Wien , wozwischen dem Volk und der allmächtigen Kaiserin nurdiejenigen Schranken bestanden, welche die Verehrungzog, an den verdorbenen Hof Ludwigs XV. versetzt,konnte es kaum anders kommen, als daß die Dauphins,welcher Freund und Feind die schönsten goldblondenHaare, den brillantesten Teint und die edelste Haltungin ganz Frankreich zuerkannten, einestheils durch ihreSchönheit Neid erweckte, und anderntheils durch ihredeutsche Unbefangenheit Stoff zu allerlei Bemerkungengab.
Marie Antoinette hatte einen lebhaften Geist, eingefühlvolles, den Ihrigen ganz ergebenes Herz, einenhohen und edeln Sinn, aber es fehlten ihr Ernst undwahre Frömmigkeit. Sie wollte ihrer Mutter nicht un-würdig sein, dieser Gedanke wirkte in ernsten Tagen