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Das Thal Glarus unter Seckingen u. Oestr.
An diese verschiedenen, aber unter sich nahe verwandten Bestre-bungen schliesst sich nun auch der nachfolgende Versuch an, welchender Verfasser dem wissenschaftlichen Publikum zu nachsichtiger Beur-theilung empfiehlt. Auch die altern Zustände und Entwicklungen seineseignen Canlons fand er bis dahin noch nirgends gründlich dargestellt;er glaubte daher durch eine genauere Prüfung und ausführlichere Schil-derung derselben die vaterländische Geschichtskunde einigermassenbereichern zu können. Sein redliches Streben war auf möglichsteKlarheit in der Darstellung der oft so verwickelten Verhältnisse ge-richtet; sollte er diese nicht immer erreicht haben, so wäre das Miss-lingen bloss seinen schwachen, noch ungeübten Kräften zuzuschreiben.Von dem Inhalte seiner Arbeit hofft er, dass derselbe auch auf dieVerfassung andrer schweizerischer Landschaften im Mittelalter, nament-lich auf diejenige der benachbarten Waldslätle vor ihren Bündnissen,einiges Licht werfen könnte. Zugleich dürften darin einige Beiträgeliegen zu einer unbefangenen Würdigung der in neuerer Zeit in Frage ge-setzten Glaubwürdigkeit des Geschichtschreibers Aegidius Tschudi,dessen Nachrichten über seine nächste Heimalh hier geprüft werden.
Treffliche Materialien und Vorarbeiten für diese Abhandlung fandensich bereits in dem Nachlasse meines sei. Schwiegervaters, des zufrühe hingeschiedenen Landammann Cosmus Heer, vor. Die wich-tigsten Quellen für die Geschichte von Glarus, welche er in spätemJahren, nachdem er sich von öffentlichen Aemtern zurückgezogen,bearbeiten wollte, halte er mit unermüdlichem Fleisse gesammelt, undüber einzelne Theile derselben Aufsätze verfasst, aus denen mancheschätzenswerthe Notiz hier benutzt oder aufgenommen worden ist.Unter den Quellen verdient besondere Erwähnung eine, von PfarrerJ. J. Tschudi in Glarus in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhun-derts angelegte, reichhaltige Sammlung von Urkunden und Manuscriplen,welche ich unter der Bezeichnung ,,T. U. S.“ (Tschudi’sche Urkunden-sammlung) häufig anführen werde. Alle übrigen gesammelten Doku-mente , welche sich sonst noch in jenem Nachlasse vorfinden, werdeich mit „Heer. Samrnl.“ (Heer’sche Sammlungen) bezeichnen. Vondem genannten Pfarrer J. J. Tschudi, einem sehr fleissigen und gründ-lichen Geschichlforscher, rührt auch ein weitläufiges Manuscript her,welches unter dem Titel: „Tschudi’sche Stammtafel“*) u. s. w. dieGeschichte des Landes Glarus ausführlich beschreibt und mitunter sehrtreffende Bemerkungen enthält. Dasselbe wurde mir aus dem Nach-lasse des sei. Dekan Zwicki in Mollis mitgelheilt und von mir anverschiedenen Stellen benutzt.
') Erwähnt hei Haller, Bibliothek der Schweizergeschichte, Bd. II. S. 548.