Buch 
Das Junge Deutschland und die preussische Censur : nach ungedruckten archivalischen Quellen / von Ludwig Geiger
Entstehung
Seite
6
JPEG-Download
 

6

eine Erneuerung jenes Gesetzes war. Wirklich neu war dieAufhebung der Censurgebühren. Dieser Erleichterung jedochstanden beträchtliche Erschwerungen gegenüber. Die Censur-freiheit der Mitglieder der Akademie und der Universitätenwurde aufgehoben. Zeitungen, die über Religion, Politik,Staatsverwaltung, Zeitgeschichte schrieben, durften nur mitGenehmigung der Censurministerien (des Auswärtigen, Cultus,Innern) erscheinen und sollten unterdrückt werden, sobald sievon dieser Genehmigung schädlichen Gebrauch machten.

Vollständig neu war ferner die Einrichtung eines Ober-censurcollegiums. Es sollte über die Beschwerden der Verfasserund Verleger über Druckverweigerung entscheiden; als Ober-behörde die Erlasse der einzelnen Censoren prüfen; als Vermittlerzwischen den Censurministern und den Oberpräsidenten fungiren;das Verbot der zum Debit ungeeigneten Bücher veranlassen.

Das Obercensurcollegium trat am 17. Dezember 1819zum ersten Male zusammen. Damals bestand es aus folgen-den Männern: v. Räumer (2), Langermann, Sack, Scholl,Kehrnauer, Willen, Beckedorff. Bald kamen Ancillon, Eylert,Körner hinzu. Ueber die einzelnen Persönlichkeiten außer überdie beiden Räumer, von denen unten im ersten Abschnitt zusprechen ist, soll einzelnes gesagt werden; nur über Kehrnauervermag ich nichts beizubringen. Einige freilich sind zubekannt, als daß es nothwendig wäre, biographische An-gaben über sie zu machen: z. B. der Bischof Eylert, derVertraute Friedrich Wilhelms III., der von seinem Monarchenund seinem eignen Leben so breit erzählte; Körner, derFreund Schillers und Vater des jugendlich verstorbenen Dich-ters; Wilken, der Bibliothekar und Verfasser einer großenGeschichte der Kreuzzüge, der gelehrte Orientalist. Alleübrigen sind hohe Staatsbeamte; am wenigsten bekannt unter