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Das Junge Deutschland und die preussische Censur : nach ungedruckten archivalischen Quellen / von Ludwig Geiger
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nicht gegeben habe. Er wurde auch in der Zukunft nicht zuGnaden aufgenommen; erst die Aufhebung der Censur (1848)machte ihn frei.

Von einer ernsthaften Verfolgung war keine Rede... Wieerträglich auch diese Leiden waren", meint Heinrich vonTreitschke IV, S. 440. Er würde nicht so geurtheilt haben,wenn er die Akten gekannt hätte, die im Vorstehenden benutztsind. Die Verfolgung war ernsthaft genug, die Leiden groß,die Schädigung, die die Einzelnen erfuhren, empfindlich.Außer dem Verlust der Freiheit, die zwei der Verfehmten er-litten, erfuhren sie Schädigung in ihrem Verdienst: es wurdeihnen schwer, einen Verleger zu finden, noch schwerer, vondiesem angemessenes Entgelt für ihre Produktionen zu er-langen, deren Verbreitung gehemmt war. Sie erfuhren Schä-digung in der Ausbildung ihres Talents: sie mußten sichandere Richtungen, als den bisher von ihnen gepflegten zu-wenden und literarische Frohnarbeiten übernehmen, zu denensie wenig geeignet waren, wie Laube seineGeschichte derdeutschen Literatur". Sie nahmen Schaden an ihrem Cha-rakter: die traurige Selbsterniedrigung, deren Zeuge wirwaren, lag schwerlich im Wesen jener Männer begründet.Sie nahmen Schaden an ihrer Seele: Gutzkow hat es geradezuausgesprochen, wie die Qual dieser Jahre ihn beugte, wie dieseelische Erregung jener Zeit die schlimmen Ausbrüche spätererJahre vorbereiteten!

Es war eine traurige Episode der deutschen Literatur.Auf keiner Seite gab's Helden, weder unter den Angreifernnoch unter den Angegriffenen. Und dennoch erfüllt den nichtvoreingenommenen Beurtheiler innige Sympathie für die Ver-folgten, trotz ihrer oft unbedeutenden Leistungen, trotz ihresoft schwächlichen Charakters. Sie stammt aus dem Bewußtsein