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Aus König Friedrich Wilhelms IV. gesunden und kranken Tagen / von Alfred von Reumont
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III. Christian Carl Josias Bunsen.

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so lange Raum da war, und nahm fürlieb mit dem, wasdas sehr einfache Menü bot. In London waren immerGäste da, auch aus längere Zeit. Es war ein äußerst ge-selliges Hans, in welchem alles sich behaglich fühlte. Dergewöhnliche Kreis war ein nicht kleiner und stets wechselnder,je nachdem von Kindern, Schwiegertöchtern, dann Enkelnund anderen Angehörigen und von Besuchern die Einen oderdie Andern anwesend waren. Bunsen war im geselligenVerkehr liebenswürdig. Er hielt an seinen Meinungen fest,aber er war nicht streitsüchtig, factische Belehrung nahm ergerne an. Alle, die in gelehrten Dingen mit ihm gearbeitet,können ihm dies Zeugniß geben. Der ungewöhnliche Umfangseines Wissens und seine vielseitige Erfahrung machten dieKonversation mit ihm angenehm. Sein Urteil mochte gele-gentlich scharf sein, böswillig war es nicht. Seine akatho-lische Gesinnung ist im persönlichen Umgänge soviel ich be-urteilen kann (nach dem Jahre 1846 bin ich freilich nurgelegentlich mit ihm zusammengetroffen) nicht hervorgetreten.Abgesehen von dem religiösen Standpunkte bin ich vielfachganz verschiedener Meinung gewesen, was ihm vollkommenbekannt war. Aber er ist im Umgang immer freundlich undtheilnehmend geblieben, hat mich nie zu beeinflussen gesucht,sodaß es mir namentlich in London in seinem Hause behag-lich gewesen ist, mochte ich auch fühlen daß eine Scheidewandda war.

Die verschiedenen großen Interessen, Fragen, Vorgänge,welche einander während der späteren Hälfte von BunsensMission in England drängten, ohne daß er, obgleich viel-fach in dieselben hineingezogen, eigentlich durchschlagenden