Buch 
Aus König Friedrich Wilhelms IV. gesunden und kranken Tagen / von Alfred von Reumont
Entstehung
Seite
207
JPEG-Download
 

VI. Die schönen Künste.

207

lange Fahrten durch die Umgebungen unternommen, die erweit besser kannte als ich und deren vielfach verschönerndeUmgestaltung er im Laufe der Jahre erlebt hatte. Im Früh-ling 1845 machte ich mit ihm eine Fahrt nach Neustrelitz,Wohin der Großherzog Georg, der schon um der Erinnerun-gen an seine Schwester die Königin Luise willen große Zu-neigung zu ihm hegte, ihn berufen hatte. Ich habe dieseStrecke wiederholt zurückgelegt und kann nicht sagen daßsie mich jemals unterhalten hätte, indem das traurig ver-ödete Oranienburger Schloß und der Park von Dannenwalde,in welchem dicht an der Landstraße das Denkmal einesRomanhelden der Gräfin Jda Hahn-Hahn sich erhebt, dieeinzigen Punkte sind welche in der reizlosen Gegend einenAugenblick die Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Vondieser Fahrt aber die an einem schönen Tage in anhaltenderConversation zurückgelegt wurde, ist mir die erfreulichste Er-innerung geblieben. Wenn Berlin, das nur das trefflicheMonument des Großen Kurfürsten besaß, sich unter den bei-den letzten Königen mit einer Reihe von Statuen geschmückthat die durch die Wahrheit der dargestellten Persönlichkeiten§ ebensowie durch ihren Kunstwerth wirken, so ist dies wesent-E lich das Verdienst Rauchs und seiner Schüler, die gleich ihm

s das vaterländische Element vertreten haben.

Peter von Cornelius ist spät nach Berlin gekommen,während er in der Zeit seines besten Schaffens für denSüden Deutschlands gewonnen schien. Gleich Rauch hat aucher seine Zeit und Thätigkeit zwischen der Heimat undRom getheilt, auch in späten Jahren als der Bildhauer nurnoch an gelegentliche Reise, nicht aber an längeren Aufent-halt in Italien dachte. Aeußere Umstände haben die Aus-