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VI. Die schönen Künste.
führung seines größten und durchdachtesten Werkes, der Com-positionen für das Camposanto der projectirten berlinerBasilika verhindert, aber die Entwürfe sind da, von dermächtigen und ergreifenden Poesie eines Chclus Kunde zugeben, welcher, wenn er in Farben vor uns stände, mehr alsirgend etwas anderes den Markstein zwischen der idealenchristlichen Kunst des 19. Jahrhunderts und der realistischenbedenkliche Wege einschlagenden modernen Malerschule bildenwürde. Wer weiß ob es nicht für den Ruhm ihres Ur-hebers, soweit unsere Zeit und deren wie es scheint über-wiegende Anschauungen und Geschmack in Betracht kommen,deren Werke sich zu denen der großen Zeit verhalten wiedas Melodrama zur classischen Tragödie, gut gewesen ist, daßdiese Kompositionen bloßer Entwurf in der Zeichnung ge-blieben sind, aber etwas derart hätte die zweite Hälfte des16. Jahrhunderts in Bezug aus Michelangelo äußern können,dessen Weltgericht Urteilen unterlag, die etwas von den An-sichten eines Theils moderner Kunstkritiker über Cornelius'größtes Werk an sich haben.
Manches von dem was unter Friedrich Wilhelm IV.auf dem Gebiete der bildenden Künste entstanden, ist in denvorstehenden Erinnerungen bereits erwähnt worden: eineAufzählung und eingehendere Charakterisirung kann nicht inderen Zwecke liegen. Kurze Zeit nach des Königs Tode hatderjenige Künstler der ihm namentlich in seinen spätern Jahrenam nächsten stand, Stüler, eine Skizze der Thätigkeit aufdiesem Felde und der persönlichen Betheiligung des Monarchenan derselben versucht und bei der Fülle des Stoffes sich meistdoch nur auf kurze Bemerkungen beschränkt. Gegen das Endeseiner Regierung war die Umgebung Potsdams wie umge-