VII. Berliner Gesellschaft 1843-1846.
219
gewesen und hatte nach dem Jahre 1807 und nach dem Wechselder politischen Verhältnisse in seiner engern Heimat längereZeit in Paris gelebt, wo er im Jahre 1811 Louise deKastellane Norante damalige Hofdame der Kaiserin Jose-phine heiratete. Nach nochmaliger Umgestaltung der Dingewar er, dessen Familie in der Mehrzahl ihrer Zweige eingutes Verhältniß zu Preußen aufrecht erhalten hat und heutetheilweise preußisch geworden ist, wieder in Berlin erschienen,wo er in den Hofdienst trat, der seinem Geschmack wie seinenGewohnheiten am meisten zusagte. Er war ein Mann vonangenehmen gesellschaftlichen Formen, von französischer Cour-toisie, wie er denn überhaupt mehr vom Franzosen als vomDeutschen an sich hatte. Die Gräfin Pourtales war eineanziehende Erscheinung wie sie eine vollkommene Wirthinwar. Mutter erwachsener Söhne bewahrte sie mehr als dieSpuren von Schönheit, welche mit ernstem Sinn, mit reiferBildung und großem Wohlwollen vereint ihr einen beson-dern Reiz verliehen, den sie bis in ein hohes Alter hinein (siestarb achtundachtzig alt im Jahre 1881) bewahrt hat. Vonihren beiden Söhnen war der ältere Albert damals als Lega-tionsrath aus Constantinopel zurückgekehrt von wo er denOrient besucht hatte. Er war geistvoll, lebendig, vielseitigunterrichtet, von rascher Auffassung bei gesundem Urteil, mitder Aussicht auf eine brillante Laufbahn die ihm auch zutheilgeworden ist, der er aber durch frühzeitigen plötzlichen Todentrückt wurde. Der jüngere Sohn diente in der Garde.Vieles von dem, was in diesen Jahren zur Belebung desberliner Gesellschaftslebens geschah, ist von diesem Hauseausgegangen, dessen ich noch wiederholt zu gedenken Anlaßhaben werde.