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Aus König Friedrich Wilhelms IV. gesunden und kranken Tagen / von Alfred von Reumont
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VII. Berliner Gesellschaft 18431846.

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des Auswärtigen, begegnen wir demselben Phänomen. Wäh-rend des Aufenthalts des kranken Königs in Florenz imDecember 1859 sandte er mir von Turin seine dienstthuendeSomnambule zu, um sie der Königin zur Consultation überden Zustand ihres Gemals zu Präsentiren. Ich brauche nichtzu sagen wie diese das Ansinnen aufnahm.

Im Jahre 1862 wurde er nach Constantinopel versetzt.Ein Fünfunddreißigjähriger hatte er Pera ungern verlassen:vierundsechzig alt kehrte er zurück, und empfand den großenunterdeß in den Dingen wie in seiner Person und in seinenAnschauungen vorgegangenen Wechsel. Mit seiner unleug-baren Gewandtheit hat er aber die beinahe völlig verän-derten Verhältnisse richtig erfaßt und gut zu verwerthengewußt. Nach Verlauf von sechs Jahren kehrte er, wie mansich am Bosporus auszudrücken Pflegt, nach Europa zurück,und zwar nach Florenz, wohin unterdessen die piemontesischeRegierung infolge napoleonischer Nöthigung ihren Sitz ver-legt hatte. Das durch die Uebereinkunft vom Jahre1864 ins Leben gerufene Provisorium machte sich ihmwie allen seinen Kollegen nur zu sehr bemerklich. Ichwüßte kaum einen derselben zu nennen, der es nicht empfun-den hätte daß es sich hier nur um ein Intermezzo handelte,welches durch fremden Willen geschaffen worden war; einIntermezzo an welchem jedoch nicht der Charakter der neuenHauptstadt Schuld trug, die im Gegentheil so recht geeignetschien die noch hochgehenden Wogen der Zustände des italieni-schen Einheitsstaates in möglichst sichere Grenzen einzudämmenund die moderirende Eigentümlichkeit des toscanischen Geisteswohlthätig walten zu lassen. Ob er mit allen Resultaten derPolitik, welcher er einst so laut applaudirt hatte, auf dem