266
VII. Berliner Gesellschaft 1843—1846.
vorauszusehen war, damit zu Ende zu gelangen. Was ichlas, genügte jedoch vollkommen eine richtige Anschauung vondiesem merkwürdigen Werke zu erlangen, in welchem nebenviel doctrinärer Declamation und neben einer vagen liberali-sirenden Tendenz, die sich bald gegen die Kirche, bald gegendie Kaisergewalt wendet, echte patriotische Gesinnung undungewöhnliche poetische Begabung hervorleuchten, wahrendwahrhaft ergreifende dramatische Scenen sich mit großenlyrischen Schönheiten verbinden. Nicht selten bot die LectüreSchwierigkeiten dar, soserne es sich um das Auditorium han-delte, welches übrigens neben den Majestäten nur wenigePersonen zählte, zu denen Olfers üsedom u. A. gehörten.Gerne erinnere ich mich eines Diners in Charlottenhof inder ersten Hälfte des Juli. Das Wetter war prachtvoll undwir speisten unter dem Porticus. Später spazierte der König,der sehr Wohl und heiter war, mit Olfers und mir längereZeit im Garten, wobei selbstverständlich namentlich von Kunstdie Rede war, wozu die anmuthige Localität den nächstenAnlaß bot. Der Thee wurde in dem seltsamen Drachen-hause im Park servirt, das Souper oben im Schlosse. GegenEnde Juni war der König in Kopenhagen gewesen, wohinHumboldt ihn begleitet hatte. Zwischen König Christian VIII.und Friedrich Wilhelm IV. mußten vielfache geistige Be-ziehungen stattfinden, während die freundschaftlichen Be-ziehungen Beider zu Carl Friedrich von Rumohr sie einandernoch naher brachten. Wie der Kronprinz im Jahre 1828Herrn von Rumohr, so war dieser mehre Jahre früher demdamaligen dänischen Thronfolger nahe getreten und hat esausgesprochen, wie dessen hohe Vorzüge des Geistes undHerzens ihn „zu mehr als dürrer Ehrfurcht, zu treuer