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Geschichtslügen : eine Widerlegung landläufiger Entstellungen auf dem Gebiete der Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Kirchengeschichte / aufs Neue bearbeitet von drei Freunden der Wahrheit
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DasReformations"-Zeitalter.

beizubringen; so haben Wir nichts desto weniger beschlossen,in unserer Eigenschaft als römischer König ungeachtet desvom Pabste ausgeschriebenen Konziliums, die Reichsständean gelegenem Ort und zur gelegenen Zeit zusammen zuberufen, um gemeinschaftlich mit den Ständen und Städtendes heiligen, römischen Reichs, und mit Zuziehung deinesund anderer Gottesgelehrten Rat, alle auf die Religionsich beziehende Angelegenheiten übereinstimmend zu ordnenund hierüber uns wieder zu vereinigen. Zu desto kräftigernBeförderung der Wahrheit wollten wir dir dieses kund thun.Gegeben in unserer Grasschaft Tirol, in der Stadts Jnsbrugam ersten Februar des Jahres 1537, im 7. Jahre unsererRegierung als römischer König und im 12. der Regierungunserer übrigen Länder."

Hierzu bemerkt v. Kerz^:

Nicht leicht ward jemals noch ein Gewebe von Un-wahrheiten, Albernheiten und frechen Verunglimpfungen derkatholischen Kirche mit so vieler Unbesonnenheit und mitso weniger Berücksichtigung allgemein bekannter, historisckerThatsachen, Zeitereignisse und persönlicher Verhältnisse aus-gesponnen, als dieser vorgebliche, durchaus falsche, erdichtete,sinnlose und wahrhaft lächerliche Brief Ferdinands an denReformator des 16. Jahrhunderts. So schnell nun auchdiese Täuschung sich bei der schwächsten historischen Be-leuchtung in leeren Dunst auflöst; so hinterläßt doch dieser,wie jeder unreine Dunst, stets einen gewissen Geruch, welcherauf die Nerven des protestantischen, wie des katholischenPöbels nie seine Wirkung verfehlt. Eine Menge protestan-tischer Gelehrten legten auf dieses Machwerk ein ungemeinesGewicht; einer davon behauptet, man müsse diesen Briefhöher als Gold schätzen und bei jeder Gelegenheit denKatholiken entgegen halten. Mehrere bedeutende Publicisten,unter andern Goldast und der unter mancher Hinsicht

i Über den Geist und die Folgen der Reformation, Mainz 1822,S. 298 flgd.