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Geschichtslügen : eine Widerlegung landläufiger Entstellungen auf dem Gebiete der Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Kirchengeschichte / aufs Neue bearbeitet von drei Freunden der Wahrheit
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Ein von L. erdichteter Bries König Ferdinands an L. 227

wahrhaft achtungswerte Lünnig nahmen ihn sogar in dieSammlung der Reichssatzungen und in das Reichsarchivaus, und es steht zu erwarten, daß, wenn die schon einige-mal in Vorschlag gebrachte neue Ausgabe Luthers sämtlicherWerke erscheint, diese auch ganz gewiß, einem längst schongemachten Antrage zufolge, das saubere königliche Reskriptan der Spitze haben und von demselben, gleichsam mit destogrößerem Pomp, wieder in die Welt eingeführt werden wird.

Wäre die Angabe eines der feurigsten Apologeten Luthersgegründet gewesen, und hätte man wirklich das Originaldes Briefes in dem Archiv von Dresden gefunden;* sowürde gewiß für jeden, der nur einigermaßen mit denallgemeinen diplomatischen und semiotischen Regeln, oderder kritischen Anwendung der Diplomatik bekannt ist, derBeweis der Unechtheit dieser Urkunde, bloß aus diploma-tischen Gründen, keine schwere Aufgabe gewesen sein. Wasuns zu dieser Voraussetzung berechtiget, ist schon die Auf-schrift des Briefes . . .Unserm und des Reichs liebenund getreuen" :c. Wie könnte ein römischer König soschreiben wollen, nachdem Luther schon durch zwei Reichs-abschiede, nämlich den von Worms und jenen von Augs-burg, in die Reichsacht war erklärt worden, und Ferdinandielbst aus beide Reichsabschiede geschworen hatte? HätteFerdinand auch wirklich in seinem Herzen sich damals zuLuther und seiner neuen Lehre hingeneigt; so mußte docheine nur ganz gemeine Klugheit ihm raten, jetzt, wo erkaum seit zwei Jahren als römischer König allgemein an-erkannt war, nicht zwei, unter der starken Mitwirkung seines

i Es war ein Pastor zu Jena, Namens Johann Donner,welcher im Jahre 1630 die wichtige Entdeckung gemacht haben wollte,daß das Original des Briefes sich im Archiv von Dresden befinde.Als man aber bald darauf Nachmchungen anstellte, und noch, wieSeckendorf selbst gesteht, zur Zeit des Kurfürsten Georgs I. vonSachsen in allen Kästen und Schränken des Archivs mit dem größtenFleiße das Original suchte, und dennoch nichts fand: so sah mansich füglich gezwungen, die Angabe des Herrn Pastors Donner füreinen, jedoch sehr verzeihlichen Irrtum zu erklären.