3015 Hercules (H. Saxanus)
über die drei Inschriften giebt FreudenbergS. 11 f.). Eine Widmungsinschrift an Hercules Saxanus befindet sich ferner in Trient ( C. I. L.
5, 5013 = Freudenberg nr. 24). Hierzu kommtnoch eine italische Inschrift aus Tibur ( C. I. L.14, 3543 = Freudenberg nr. 25) Hereuli Saxctnosacrum Ser. Sulpicius Trophimus aedem zothe-cam culinum pecunia sua a solo restituit idem-que dedicavit k. Fecembr. L. Turpilio FextroM.. Maecio Bufo cos. Eutychus ser. peragendumcuravit. Uber den Ursprung und die Bedeutungdes Gottes· sind verschiedene Ansichten aufge-stellt worden. Man brachte den BeinamenSaxanus mit Saxnöt, dem Beinamen des säch-sischen Schwertgottes Tius, in Zusammenhang,beide abgeleitet von sahs (Steinwaffe, Stein-messer), so dafs Hercules Saxanus also einKriegsgott wäre (Grimm, F. M. 1 S. 203 f.;Grimm gab jedoch später diese Ansicht aufund hielt Here. Saxanus für einen römischenGott, s. F. M , 4 1 S. 302 f.; Kern, Noms ger-maniques dans des imeriptions latines, in Bevueceltique 2, 1873/75 S. 158 f. Fupeux in Memoiresde la Socicte archcologigue de Lorraine, III. ser.
6, 1878 S. 394 f.; Mone , Geschichte des Heiden-thums im nördlichen Europa 2 [Lpzg. u. Darmst.1823] S. 349 nannte Hercules einen 'belgischen’Gott ). Eine ganz andere Erklärung hatte in-dessen schon Cannegieter (S. 166) gegeben;auf Grund der Wahrnehmung, dafs die Altäreund Inschriften des Hercules Saxanus nur ansolchen Orten zum Vorschein gekommen sind,an welchen sich Steinbrüche befinden (s. so-gleich), erklärte er diesen Hercules für dengemeinsamen Schutzgott aller derjenigen,welchein Steinbrüchen arbeiteten; diese Erklärung,welche Saxanus vom latein. saxum ableitetund in Hercules Saxanus einen römischen Gotterblickt, hat mannigfachen Beifall gefunden(vgl. aufser Grimm, der soeben genannt wurde,Fiedler, Osann, Lersck, Jahn, Overbeck, Becker,
* Preller, Braun a. aa. 00., Freudenberg S. 14.Schaa/Jhausen a. a. 0. Hartwig, Herakles m. d.Füllhorn S. 22 Anm. *). Bobert a. a. 0. S. 339 f.).Wäre aber diese Erklärung richtig und Her cules Saxanus wirklich ein echt römischer Gott,so würde es höchst auffällig sein, dafs er inItalien selbst nur einmal, besonders auf ger-manischem Boden dagegen so häufig erscheint.Die Inschriften des Brohlthales sind in denalten römischen Steinbrüchen dieses Thaiesgefunden worden (s. Freudenberg S. 1 ff.); alsDedikanten nennen sich meistens ganze Trup-penkörper, Legionen oder Kohorten nebst dendazu gehörigen vexillationes oder vexillarii.Die Widmungen beziehen sich offenbar auf dieArbeiten in den Steinbrüchen und Hercules Saxanus ist in der That der Beschützer dieserArbeiten, aber nicht der römische Hercules,sondern ein einheimischer Gott, der die Keuleführende, felsenspaltende Donar, wie Simrock(a. a. 0. S. 244 f., vgl. 410; ihm beistimmendJordan in Prellers B. M. z 2 S. 297 Anm. 3; vgl.auch Hartwig a. a. 0.) annimmt; dieser konnteum so eher zum Hercules Saxanus werden, wenner etwa als Saxan (Sahsan) 'Felsenbeherrscher’(sax-an gebildet aus sahs 'Fels’ mit dem nominaagentis bildenden Saffix -ana-; althd. sahs, ags.
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seax, an. sax gehören etymologisch zu lat.saxum, vgl. z. B. Grimm, Feutsche Mythl 1S. 302. J. und W. Grimm, Feutsch.Wörterb.
3 s. v. Fels Sp. 1500; über das Suffix -ana- ingermanischen Götternamen wird demnächst H.Jäkel, Ertha Hluddna, in Zeitschr. f. deutsche Philol. 23 eingehend handeln) gerade in jenerGegend von den Germanen verehrt wurde; indiesem Falle bedurfte es nur der Anfügung derEndung -us, um einen römischen, der Sache nachvollständig passenden Beinamen zu erhalten..Die oben angeführte tiburtinische Inschrift kannman nicht mit Fessau (z. d. Inschr.) gegen dieAnnahme, dafs Hercules Saxanus ein germani-scher Gott sei, anführen, wenn man bedenkt,dafs z. B. die sicher nicht römische, jedenfallskeltische Göttin Epona frühzeitig in Italien auf-·’tritt (s. oben Sp. 1286 ff.). Durch die römischenSoldaten wurde der Kult des Hercules Saxanusüber die Grenzen seiner Heimat hinaus ver-breitet. Aufser den oben angeführten Inschriftensind im Brohlthale Widmungsinschriften anHercules Invictus (Bramb. 654 = Freudenbergnr. 12), an Hercules Barbatus (Bramb. 653; s.Abschn. VII), an Hercules ohne Beinamen (das.666 = Freudenberg nr. 21; ein Beiname des Her-cules ist vermutlich verloren gegangen in derschlecht erhaltenen Inschrift Bramb. 667 =Freudenberg nr. 22) sowie die Überreste einesgröfseren, in die Felswand gehauenen Denkmals,bestehend in fünf mit farbigen Verzierungen ver-sehenen Nischen, gefunden worden (s. die Tafelbei Freudenberg)·, in der mittelsten Nische be-findet sich ein aus dem Felsen herausgearbei-teter Altar mit einer Widmung an Hercules(Bramb. 660) I. Herc[...] \ l(egio) VI vi(etrix)piia) f(elix) u. s. w. Freudenberg (S. 16 ff. undNachträge S. 88 ff.) bezog die Inschrift, obgleichder Beiname Saxanus nicht vorhanden ist,doch auf den Hercules Saxanus, und in Anbe-tracht der Fundstätte könnte man wohl an-nehmen, dafs hier dieser Gott gemeint sei. Daaber Freudenberg in dem ersten Buchstabenein I erkannte und der Ansicht war, dafs vordiesem I noch ein Buchstabe ausgefallen sei,so löste er auf [Feo] I(nvicto) Hereuli u. s.w.,nicht etwa im Sinne einer Widmung an denDeus Invictus = Mithras und Hercules, wozudie über den Seitennischen sichtbaren Symboleder Sonne (Strahlenbüschel) und der Mond-sichel verleiten könnten, sondern als Widmungan Hercules Invictus. Den erwähnten Symbolenlegt Freudenberg eine andere Bedeutung bei;er erkennt in ihnen Zeichen einer von Spanien her erfolgten, durch gallische Religionsvor-stellungen vermittelten Vermischung mit demKulte des tyrischen und gaditanischen Her-cules (s. S. 26 ff.). Diese Vermutungen Freuden-.bergs sind aber schon deshalb hinfällig, weildie übrigen Verzierungen des Denkmals, obe-liskenartige Säulen mit Kugeln an der Spitzeund zwei in Frendenbergs Abbildung undeut-liche Gegenstände, die S. 28 als Lyren erklärtwerden, auch die Strahlen und Mondsichelnnur als einfache Verzierungen erscheinen lassen.Braun (Fas Tempelbild im Brohlthale, in An-nalen des histor. Vereins f. den Niederrhein 13/14, 1863 S. 1 ff. mit Tafel) sieht in diesem
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