2949 Mezentius (b. Vergilius)
Anschauung zu Grunde, als sei Mezentius derOberkönig der verbündeten etruskischen Städtegewesen. — Bei Vergil führt er 7, 648; 8, 7 das'Epitheton contemptor divom. Die Grausamkeitdes Tyrannen, der zur Sti afe Lebende mit TotenHand gegen Hand und Antlitz gegen Antlitzzusammen bin den und sie diesen martervollenTod sterben liefs, wird 8, 483 — 488 geschil-dert. Beim Sturm auf das trojanische Lagerschleudert Mezentius Feuerbrände gegen denWall (9, 521 f.), dann erlegt er bei dem Sturmaufs Lager durch einen Schufs mit Schleuderund Bleikugel den Sohn des Arcens (9, 586ff.).In den Vordergrund tritt er in der folgendenSchlacht, als Aeneas mit der Flotte und demHeere der verbündeten Etrusker die Landungerzwungen hat und dann ergrimmt über denTod des jungen Helden Pallas ein Blutbadunter dem Heere des Turnus anrichtet. Tur-nus war von Iuno vor Aeneas in Sicherheitgebracht worden; da stellt Mezentius dieSchlacht wieder her. Das Ende des zehntenBuches ist eine Art ’A^iazsia des Helden.Schliefslich trifft er mit Aeneas zusammenund wird von diesem durch Speerwurf amUnterleib verwundet (10,768). Den zurück-'weichenden Vater deckt der schöne ritterlicheSohn Lausus, der bald dem stärkeren Aeneas unterliegt. Als der Getötete zu Mezentiusgebracht wird, der unterdessen seine Wundemit dem Wasser des Tiber ausgewaschen hat,besteigt er sein Streitrofs Rhaebus, kehrt indie Schlacht zurück und greift Aeneas an; dieseraber tötet zuerst das Hofs, das im Sturz denReiter abwirft, dann durchstöfst er dem Ge-fallenen die Kehle. Die Waffen des Königsstellt Aeneas als Siegeszeichen zu Ehren desgefallenen Helden Pallas auf (11,1—16). Ab-sichtlich ist an dieser Stelle (11, 9: bis sexthoracci petitum perfossumque locis ) darauf hin- tgedeutet, dafs Mezentius von dem Heere derzwölf etruskischen Bundesstädte angegriffenwurde. Vgl. Servius zur Stelle und Aen. 10,691 f. — Aus der überkommenen Sage hat derDichter beibehalten, dafs Mezentius König derStadt Caere ist — der gräcisierende und ge-lehrte Dichter nennt sie stets Agylla —, dafser am Krieg gegen Aeneas für Turnus teil-nimmt und in diesem Kriege fällt. Geändertbat er aus Rücksichten auf den Plan seines iGedichtes, dafs Mezentius wegen seiner Grau-samkeit aus Caere vertrieben sich zu Turnusflüchtet, dafs das Heer der verbündeten Etrus-ker unter Tarehon mit Aeneas gegen denTyrannen zieht und dafs Mezentius in der Schlachtvon Aeneas fällt. Darin ist ihm Ovid gefolgt,bei Cato flieht umgekehrt Turnus zu Mezentius,dieser zieht mit den Etruskern gegen Aeneas ,dieser kommt auf der Flucht vor Mezentius’Kn, Ascanius tötet den Etrusker in einem fol- igenden Kriege im Zweikampf. Bei Vergil wiebei Dionys erscheint zuerst Lausus, der Sohndes Mezentius. Durch den Gegensatz zwischendem grausamen Vater, dem Verächter der Göt-ter, und dem schönen edlen Sohn, der fürseinen Vater stirbt, durch die Klage des hartenMannes um den Gefallenen, durch seine Rück-kehr in die Schlacht, damit er den Sohn räche,
Mezentius (in der Litteratur nach Verg.) 2950
weifs der Dichter unsere Teilnahme für denwilden Recken zu steigern. Übergangen hatVergil die Sage vom Weinzins; dafs er siegekannt hat, beweist die Fassung von Aen. 9,15 f. (vgl. Macrobius Sat. 3, 5, 10). Die demMezentius zugeschriebene unmenschliche Grau-samkeit wurde bei den Alten den etruskischenSeeräubern überhaupt nachgesagt, wie Cicero im Hortensius bezeugt hatte. Vgl. die betr.Stellen in der Ausgabe Ciceros von Baiter undKayser vol. 11, 65 fr. 88.
4. Die Sage nach Vergil.
a) Kurze Zeit nach Vergil hat Trogus Pom-pejus die Sage berührt. Justin 43, 1, 10 be-richtet nur von zwei Schlachten; in der erstenfällen Latinus und Turnus, in der zweiten fälltAeneas gegen Mezentius: bellum deinde adcer-sus Mezentium, regem Etruscorum, gessit, in quocum ipse occidisset, in locum eius filius Ascaniussuccessit: gui Lavinio relicto Longam Albamcondidit. Von der dritten Schlacht, in derAscanius den Tod seines Vaters an Mezentiusrächte, sagt Trogus nichts, hierin mit Livius übereinstimmend. — b) Die Angaben Appianssind uns durch Photius (Biblioth. p. 16 b , 4Bekker) und durch das Fragment eines un-genannten Byzantiners 1, 1, 2 bekannt. Vgl.Mendelssohn, Appiani hist. B. 2 , 1183. Nachder ersten Stelle wird Aeneas wie es Brauchim Kriege getötet: διά Ααονινίαν την γυναίκαυπό ’Ροντούλων των Τυ ρ ρην ων προμνηατεν-θείσαν αυτών τώ βασιλεί αναιρείται πολέμουνόμω Αινείας (Mezentius wird hier nicht ge-nannt); in der zweiten Stelle tötet Mezentius,der König der Rutuler, den Aeneas : 'Ρουτον-λων 'βασιλεύς Μεζέντιος σνμβαλων μετ’ αυτόνπόλεμον διά το προεγγεγυήσ&αι αΰτω τηνΛαουινίαν αναιρεί Αινείαν. Vielleicht beruhtdiese Wendung nur auf einer Flüchtigkeit desunbekannten Excerptors, der Mezentius mitTurnus verwechselt hat. — c) Dio Cassius (bei Zs. Tzetze s zu Lykophron 1232) Frg . 4, l bberichtet (wie Cato ) von drei Schlachten; inder .ersten, die nach dem Bau Laviniums ge-liefert wird, fallen Latinus und Turnus, derKönig der Rutuler; in der zweiten wird Aeneashei Laurentum von den Rutulern und demTyrrhener Mezentius getötet. Ascanius , derdarauf zur Regierung gelangt, besiegt Mezen-tius endgültig. Hier kehrt auch die Sagevom Weinzins wieder, wenigstens angedeutet:og και τον Μεζέντιον πολεμώ σνμβαλόντα νικάτελέως μή δεχόμενον τάς πρεσβείας, αλλά καίτά τον Λατίνου πάντα εις ετήσιον δασμόν ζη-τονντα. Damit stimmt im wesentlichen dieErzählung bei Zonaras 7, 1 p. 313 a. b über-ein: In der zweiten Schlacht helfen die Tyr-rhener den Rutulern, Aeneas verschwindet indieser Schlacht; der Name des Mezentius wirdnicht genannt, aber der Ausfall, durch denAscanius die belagernden Tyrrhener schlägt,und den Krieg beendet, ist erwähnt; Mezen-tius und Lansus werden auch hier nicht ge-nannt. Fr. Cauer a. a. 0. 155 ff. glaubt, DioCassius und Diodor (Frgm. libri 8: Αινείας γάρμετά την αλωσιν τής Τροίας ετών τριών παρελ-θόντων παρέλαβε τήν των Λατίνων βασιλείαν. 93*