29 Ramman (in histor. Texten)
Sprache jedes Volkes kennt. 13, 35 ff.: Wennjemand sein Feld für festen Zins einem Päch-ter gibt und den Zins für sein Feld erhält, sotrifft doch für den Fall, daß ein Unwetter [(ilu)Adad] ein tritt und die Ernte vernichtet, derSchaden den Pächter. 13, 71 ff., 14, 1 ff.: Wennjemand eine verzinsbare Schuld hat und einUnwetter [(ilu) Adad] sein Feld vernichtet, oderdie Ernte vernichtet oder wegen WassermangelGetreide auf dem Felde nicht wächst, so soller ... . Zinsen für dieses Jahr nicht zahlen.
In einem Liede aus Hammurabis Z eitKing, Hammurabi PI. 112, nr. 60) findet sichdie Götteraufzählung:
Sin
Ninib
Istar
Samas und Adad.
So die Zeilenordnung. Das Lied stammt viel-leicht aus älterer Zeit. Jastrow, Keligion derBabylonier 137. 148 denkt an Nippur als Her-kunftsort, weil Inlil (Bel) voransteht. Aber Belsteht hier in derselben Rolle, wie im Beginndes Cod. Hamm, und in der nachher zu er-wähnenden Inschrift seines Sohnes Samsu-iluna.Die Nebeneinanderstellung von Samas undAdad entspricht der Stellung Adads in denRitualtexten, die wir aus späterer Zeit kennen(s. Sp. 41 ff.). 30
Welche hervorragende Bedeutung Adad (wechselnd mit Martu) gerade in der Sonnen-stadt Sippar , der Heimat der Hamurabi-Dynastigehabt hat, zeigen die Privaturkunden ausSippar , di z Friedrich, Beitr. z. Assyr. ö, 413ff.behandelt hat.*)
Samsu-iluna , Hammurabis Sohn, weihtdem Adad eine Stadtmauer bzw. Festung undwendet sich, wie Hammurabi , neben andernGottheiten auch an ihn als seinen 'Helfer’; 40s. King, Hammurabi PL 191, nr. 97, Kol. 2,
11 f., Windeier, Untersuchungen zur altor. Ge-schichte 140 ff. Samsu-iluna beginnt mit seinerBerufung zum König von Babylon durch Mar-duk, dem seinerseits Inlil, der König Himmelsund der Erde, die Herrschaft über die vierWeltgegenden verliehen hat. (Die Selbstver-herrlichung geschieht nach dem Muster derEinleitung zum Codex Hammurabi , nur daßhier, was mythologisch interessant ist, die 50Trias Anu, Inlil , Ea durch Bel allein vertretenwird.) Dann heißt es weiter:
Samsu-iluna,
der mächtige König,
König von Babylon ,der König, der regiert ·
die vier Weltgegenden,bin ich.
Mit meinen eigenen Kräften,
in meiner großen Herrschermacht, 60
baute ich die Mauer An-Zakar in Nippur ,
(zu Ehren) der Göttin Nin [harsag],
*) Friedrich sieht in dem Typus der Göttergestalt, diewir Bd. 3, Sp 63 auf Urkunden aus Ur Wiedergaben undals Bilder Nebos zu deuten versuchten, authentische Bild-nisse der Adad-Martu. Der gleiche Typus findet sichwiederholt auf Siegeln von Urkunden von Sippar, dieden Gottesnamen Adad nennen.
Ramman (in histor. Texten) 30
der Mutter, welche mich gezeugt,
die Mauer von Padda
Adad, meinem Helfer;
die Mauer Lagab
Sin,
dem Gott, meinem Erzeuger . ..
Auf die 'kanaanäische’ Dynastie von Baby-lon folgt jahrhundertelang die Herrschaft frem-der Könige, die einer wahrscheinlich aus Asien 10 kommenden, vielleicht mongolischen Wan-derung angehören, die Dynastie der Kassü (Kos-säer). Auch sie übernehmen, wie alle Erobererauf babylonischem Boden, die Kultur des Landes.Daß zwei Kassitenkönige nacheinander Adad inihrem Namen haben (Adad-sum-iddin; Adäd-sum-nasir, Ende des 13. Jahrhunderts), wird mannicht als Zeichen eines Aufschwungs des Adad-Kultus ansehen dürfen (so Jastrow a. a. 0.148f.) *)Die religionsgeschichtlich wichtige Inschrift20 von Agum-kak-ri-me, der bereits völlig babyio-nisiert ist, nennt ebenfalls Adad an hervor-ragender Stelle. Der kossäische König hat dieMardukstatue aus Hani zurückgebracht, fühltsich also völlig als Schöpfer von Babylon . Erhofft auf den Segen der babylonischen Götter.Wer seine Tafel ans Licht bringt, wird dasGeheimnis des Nabü und JSarru (= Marduk alsGötterkönig), sowie des Samas und Adad, dererhabenen Götter, der Herren der Offen-barungen (bele-biri) erfahren (vgl. Sp. 41 ff.).In einer Grenzsteinurkunde des Adad-sum-iddin(Belser, Beitr. z. Assyr. 2, 187, Keilinschr. Bibi.3, 154ff.) wird in der Fluchformel Anu , Bel, Ea,Sin, Samas, Adad und Marduk angerufen (da-neben noch andere sonst unbekannte Schrei-bungen von Gottesnamen, die vielleicht kos-säischen Göttern angehören); sodann werdennoch Samas und Adad besonders genannt, alsdie eng zusammengehörigen „göttlichen Herrendes Rechts“ (s. Sp. 41 ff.).
Bereits vor Nebukadnezar I. , einem „KindeBabylons“, treten wieder einheimische Königeauf. Nebukadnezar I. (um 1100) war ein ge-waltiger Kriegsherr. Während die Feinde (Ela-miter) das Land verwüsteten, „saß in Babel Ne-bukadnezar, tobte wie ein Löwe und brülltewie Adad“, IV R 20. In einer Belehnungsur-kunde ( Keilinschr. Bibi. 3, 1, 164 ff.) sagt ergelegentlich, daß er die Elamiternot „nachdemOrakelspruch der Istar und des Adad, der Kö-nige, der Herren der Schlacht“**) abge-wendet habe (V R 55, Kol. 1, 40 f.), und inder Fluchformel heißt es (V R 56, Kol. 2, Keil-inschr. Bibi. 3, 1, 170 ff.):
Ninib , der König Himmels und der Erde,und Gula·, die Braut von Esarra,mögen seine Grenze umwenden, seinen
Samen vernichten;Adad , der GU-GAL Himmels und der Erde,der Herr der Quellen und des Regens,seine Wasserläufe versanden lassen,
Hunger und Not ihm bereiten.
*) Ebensowenig darf man bei der Lückenhaftigkeitdes Materials aus der Nichterwähnung in dieser oderjener Inschrift Schlüsse ziehen. Jastrow irrt übrigens,wenn er sagt, Agumkakrime erwähne Adad nicht.
**) Nebeneinander wie in der Inschrift Adadniraris 1,s. Sp. 32.