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Ramman (in histor. Texten)
Ramman (in histor. Texten)
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Bei derselben Gelegenheit (Y R 56 Kol. 2, 48)■werden Adad, Nergal und Nana als die Gott-heiten vonNamar angerufen, eines babylonischenGrenzlandes, das wenigstens teilweise eine baby-lonische Statthalterschaft bildete (s. Billerbeck ,Das Sandschak Suleimania S. 13 f.).
In einer Grenzsteininschrift, die für das10. Jahr des Marduk-nadin-ahe datiert ist(eines der Nachfolger Nebukadnezar I. ; vgl.Belser in Beitr. z. Assyr. 2; Text IIIR 43), werdenin der Fluchformel folgende Götter angerufen:
Nabü, der erhabene Bote,
Adad, der GU-GAL Himmels und der Erde,Sin, der am glänzenden Himmel wohnt,Samas , der gewaltige Richter, der KönigHimmels und der Erde,Istar , die Herrin Himmels und der Erde,Gula, die große Herrin, die Gemahlin Ninibs,Ninih, der Herr der Grenzen,
Nergal, der Herr der Speere und Bogen,Zamama, der König der Schlacht,
Papsukal, der Bote der großen Götter,Ishara, die Herrin des Sieges,
Mälik, der große Herr.
Von Adad wird gesagt, er möge die Wasser-läufe versanden lassen, und die Auen mit Dorn-gestrüpp bedecken; und die Füße Adads mögendas Getreide zertreten,
Die Gestalt des Wettergottes ist in ihrer‘’kanaanäisclien’ Ausprägung natürlich auch inAssyrien heimisch. Den kriegerischen Assy-rern lag die Hervorhebung seines Kultus be-sonders nahe. Sie bringen ihn deshalb auchin nahe Verbindung mit ihrem summus deus,nämlich mit Asur, der seinerseits als eineassyrische Umprägung des babylonischen Götter-königs Marduk erscheint. Am deutlichstentritt beides hervor in dem mythologischen Re-lief, das Sanherib, der Ninive an Stelle vonBabylon zur Weltmetropole machen wollte, her-stellen ließ und das Asur und Adad auf demStreitwagen im Kampf gegen Tiamat darstellt(s. Sp. 38).
Auch bei der Sichtung des assyrischen Materials muß davor gewarnt werden, aus einerzufällig seltenen oder häufigen Erwähnung aufgrößere oder geringere Popularität und Verbrei-tung des Adad -Kultus zu schließen (so Jastrowa. a. 0. 222). Man halte sich immer gegen-wärtig, daß jeder vorderasiatische Kult kos-misch ist. Jeder Kult berücksichtigt in seinerLehre den gesammten Kosmos oder Kreislauf;
jeder Kult hat deshalb irgendwie Raum auchfür den Wettergott.
Unter den letzten Patesi von Asur, die demKönigreich Asur vorhergehen, heißt Vater undSohn Isme-Dagon und Samsi-Adad. Sie re-gieren um 1820, also unter der Nachwirkungdes Hammurabizeitalters, in der sich die 'kanaa-näischen’ Wanderer als Herrenvolk konsolidierthatten. Die Namen Dagon und Adad sind, wiewir annehmen mußten, besondere Zeugen_dieserWanderung (s. Sp. 21). In dem Namen Samsi-Adad begegnet uns zum dritten Male (s. Sp. 39und Sp. 30) die enge Verbindung der beidenGöttergestalten, deren Sinn uns noch klar wer-den wird (s. Sp. 42 ff.). Der Bau eines beson-deren Heiligtums für Adad durch Samsi-Adadwird in den Inschriften Tiglatpilesers erzählt(s. Sp. 33).
An einem Tempel des Gottes Asur wurdein den Trümmern der alten Königsstadt Asureine Steinplatteninschrift Adad-niraris ge-funden (IV R 44 f., Keilinschr. Bibi. 1, 4 ff.;Regierungszeit um 1325), der Name bedeutet:Adad ist mein Helfer’. Anu , Asur, Samas , Adadund Istar (beide wohl als „Herren der' Schlacht“wie in der Belehnungsurkunde Nebulkadnezar I.Sp. 30) preist er Helfer seiner Kriegsstaten. lnder Fluchformel heißt es: „Adad niogö dieZerstörer der Weihetafel mit schlimmem Re-genguß heimsuchen; Sturmflut, bösen Wind,Empörung, Erdbeben (?), verheerenden Sturm,Bedrängnis, Mangel, Dürre, Hungersnot in seinLand senden, sein Land gleich einer Sintflutheimsuchen, zu Schutt und Brachfeld machen,Adad möge mit seinem bösen Blickesein Land anschauen“. Das von Adad-nirari a. a. O. erwähnte r Tor der göttlichenRichter’ ist wohl Samas und Adad geweiht zudenken.
Tukulti-Ninib I. (um 1280), der ersteassyrische Eroberer von Babylon , sagt auf einerSiegelinschrift, die III R 4, nr. 2 in einer durchSanherib veranlaßteu Abschrift vorliegt, zwei-mal: „Wer meine Schrift, meinen Namen ändert,dessen Namen und Land mögen Asur und Adadverderben.“ Also auch hier Adad allein nebendem assyrischen summus deus (vgl. Sp. 35 unt).
Eine ausführliche Schilderung der vernich-tenden Wirkung Adads findet sich in der In-schrift Tiglatpilesers I. (um 1100), unterdem Assyrien für kurze Zeit die herrschendeGroßmacht Vorderasiens wird. In der Ein-leitung der großen Prismainschrift werden die7 großen Götter aufgezählt, „die Himmel undErde lenken und den König zur Herrschaftberufen haben“:
Asur, der die Gesamtheit der Götter regiert,
Bel, der Vater der Götter, Herr der Länder;
Sin, der Weise, der Herr der f Krone’*), von erhabenem Glanz;
Samas , der Richter Himmels und der Erde; der den Frevel der Feinde sieht und den
Schuldigen zerschmettert;
Adad, der Gewaltige, der überflutet**) die Gebiete der Feinde, ihre Länder und Häuser;Ninib , der Held, der vernichtet die Schlechten und Feinde, der finden läßt, was das
Herz begehrt;
Istar, die Erstgeborene unter den Göttern, die Herrin des Kampfes, die die Schlachten ordnet.
*) d. i. die gehörnte Mondscheibe.
**) Nämlich mit dem siegreichen Heere der Assyrer -wie mit Begenströmen.