813 Sibylla (Literatur)
bylle durch Raffael in der Kapelle Chigi inS. Maria della Pace in Rom . Am bekanntestenist die klassische Wiedergabe der Sibyllen durchMichelangelo in dem Deckengemälde der Six-tinischen Kapelle. Hier erscheinen neben 7Propheten des alten Testaments 5 Sibyllen indem Architekturgerüst, das die Bilder desMittelfeldes umgibt. Wir ersehen daraus, daßMichelangelo , dessen geistiges Eigentum derGedankeninbalt des Deckengemäldes ist, fürdie bedeutendsten Sibyllen die erythräische,delphische, kumanische, persische und libyschehielt. — Das allgemeine Merkmal der Sibyllenin der Kunst ist das Buch ihrer Sprüche, dassie in den Händen halten. —
Neben diesen Darstellungen mehrerer Si-byllen finden sich auch solche einer Sibylleals Verkündigerin des Messias, und zwar istdies dann, wie schon oben erwähnt, die tibur -tinische. So ist sie auf einem Holzschnittedes aus dem 14. Jahrhunderte stammendenHeilsspiegels abgebildet, wie sie mit Augustuszusammen die Maria anbetet, und ähnlich aufdem Triptychon Rogers van der Weiden imKaiser Friedrichmuseum in Berlin , Endlichhat Baldassare Peruzzi auf dem schönen Freskoin der Kirche Fontegiusta in Siena die tibur -tinische Sibylle dargestellt, wie sie dem Augu-stus den Messias verkündigt. —
Literatur: Klausen, Aeneas und die Pe-naten S. 203 — 312: phantasievolle, aber kritik-lose Abhandlung über das Wesen der Sibylle .Alexandre, Oracula Sibyllina 2 B., 1841 — 56 :noch heute unentbehrlich wegen der gewissen-haften Sammlung des Materials mit sorgfäl-tiger Bibliographie von 1481 — 1856. Maaß,])e Sibyllarum indicibus: über die Entstehungder einzelnen Sibyllenkataloge und ihre Ab-hängigkeit voneinander. Viels, SibyllinischeBlätter: über die erhaltenen Verse der röm.Sib. Wissowa, Bei. u. Kult d. Börner 462 ff.Hoffmann, Die tarquinischen Sibyllenbücher{Ehein. Mus. N. F. 1895. S. 110 ff.). Burescli,Die sibyllinische Quellgrotte in Erythrae ( Mitt.d. arch. Inst. Athen 1892, S. 16—36). Mras,„Ba-bylonische“ und „erythräische“ Sibylle (WienerStudien 1908, S. 25 — 49). Geffcken, Die Sibylle (Preuß. Jahrb. 1901, S. 193 ff.). Ders., Diebabylon. Sibylle ( Nachr. v. d. Gott, Ges. d. Wiss.1902, S. 88 ff.). Ders., Komposition und Ent-stehungszeit der Or. Sib. (Texte und Unter-suchungen, herausgeg. von v. Gebhardt u. Dar-nach, 1902). Gruppe, Kulte und Mythen S. 675bis 701. Schürer, Gesch. des jiid. Volkes 3 3 ,S. 421 ff. Friedländer, Die jiid. Apologetik S. 31bis 54. Bousset, Die Beziehungen der ältestenjüd. Sib. zur chaldäischen Sib. ( Zeitschr. fürneutest. Wiss., 1902, S. 23 ff.). Ders., ArtikelSibyllen ( R.-E. für prot. Theologie und Kirche,3. Auf!.). Blaß, Einleitung zum 3. — 5. B. dersibyllinischen Orakel (bei Kautzsch, Die Apo-kryphen nnd Pseudepigraphen des Alt. Test.).Vogt, Sibyllen Weissagung (Paul und Braune,Beiträge 4, S. 48 ff.). Sackur, SibyllinischeTexte und Forschungen. Kampers , Die deutscheKaiseridee in Prophetie und Sage. Ders., DieSibylle von Tibur und Vergil ( Histor. Jahrb.1908, S. 1—29 u. 241 — 263). [Buchholz],
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Sicliaeus s. Sychaeus.
Sicilia , Personifikation der Insel auf Ge-mälden und römischen Münzen s. Bd. 2 Sp. 2098,32 ff. Sp. 2104, 52 ff.; auf einem Relief imVatikan , Gerhard, Arch. Zeit. 1847, 55 Taf. 4,2. H. Brunn, Annali 1847, 135; auf einemSarkophag von der Via Latina , Matz-Duhn,Ant. Bildioerke in Born 2, 3095 S. 335. Benn-dorf , Jahreshefte d, österr. arch. Inst. 5 (1902),181 Fig. 52. Auf Symmachiamiinzen von Alaisain Sizilien ist der durch Inschrift EixeUa be-zeichnete Kopf der S. (über den Typus vgl.Holm, Geschichte Siciliens 3, 665) dargestellt,Head, Hist. num. 110. Cat. of greek coins brit.Mus. Sicily 29 nr. 8. G. F. Hill, Coins of ancientSicily 175 pl. 12, 22. Historical greek coins 87.Handbook of greek and romain coins 113. Holma. a. O. 664 nr. 352 und Tafel 7,10. Freeman,History of Sicily 4, 353 f. [Höfer.]
Sidake {BiSäxrj}, Tochter des Amisoadros(s. d.), Eponyme der gleichnamigen lykischenStadt, Steph. Byz. s. v. ZiSäxr;. Herrn. Alex.Fischer, Bellerophon 15. E. Stemplinger, Sttt-dien zu d. ’Ed-vixa des Steph. v. Byz. (Progr.d. Maximiliansgymn. München 1902) S. 36.
[Höfer.]
Side (ZUSrj) 1) Gemahlin des Belos (s. d.),Mutter des Aigyptos (s. d.) und des Danaos(s. d.), Eponyme von Sidon, Joann. Antioch.frgm. 6, 15 ( F. II. G. 4, 544). Cedrenus p. 38(ed. Bonn). Malalas p. 30 (ed. Bonn ). Georg.Hamartolos (ed. Muralto , Petersburg 1859)p. 11, 17 ff. Gramer, Anecd. Oxon. 4, 221 (anden beiden letzten Stellen ist zu lesen: Aißvg... Cvvaqp&stecc rivi bvötian HoasiSCivi statt:öroyaxi EiSoviq bzw. BiSovi). Nach Eust. adDionys. Per. 912: Brjlov 8h Etdxi xal Aiyvnxogxal Äavuos, äv zi]S EiSr,e f ihr itaQmvvyog rjEiätav, wäre Side nicht Gemahlin, sondernTochter des Belos. Man könnte sich versuchtfühlen, um Übereinstimmung mit Io. Ant.usw. zu gewinnen, zu schreiben: Bglov öh aalEiärig Aiyvttxog aal Aavaog. Vgl. Sidos. —Nach einer Vermutung von Crusius, Myth. Lex.Bd. 2 Sp. 843, 24 ist im Schol. Apoll. Bhod.. 3,1186 statt ’Iccdrj vielleicht ZL8r\ zu lesen. —2) Tochter des Danaos (also Enkelin und Ho-monyme von nr. 1), Eponyme der gleichnamigenStadt im südöstlichen Lakonien , Paus. 3, 22,11. Hehn, Kulturpflanzen u. Haustiere 8 207.P. Friedländer, Argolica 14 Anm. 20. — 3) Epo-nyme von Side in Pamphylien , Tochter desTauros (wohl des Eponymen des gleichnamigenGebirges), Gemahlin des Kigalos, des Epony-men der gleichnamigen zu den Sporaden ge-hörigen Insel, Hekat. bei Steph. Byz. s. v. AJdrj.Die Vorderseite der Münzen von Side weisteinen Granatapfel ( aiär) auf, w'ährend die Rück-seite den Athenakopf zeigt, Brandts, Münz-,Maß- und Gewichtssystem Vorderasiens 495 ff.Berl. Münzkab. nr. 97. 98. 824. 825. Imhoof-Blumer , Monnaies grecques p. 334. Klein-asiatische Münzen 2, 333 ff. Head, Hist, num,586. Auf anderen Münzen wieder ( ImhoofBlumer , Kleinas. M. 2, 337, 16) erscheint diesitzende Stadtgöttin, einen Granatapfel auf derRechten. Wo an Stelle der Stadtgöttin Athena dargestellt ist, ist diese als Vertreterin der
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