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Vierter Band. Qu - S.
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1363-1364
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1363 Sphinx (in d. griech. Sage)

dem 3. nachchristl. Jahrh. ( Robert, Hie ant.Sarkophag-Reliefs 2 Taf. 00).

II. Die Sphinx in der griechischen Sage.

§ 1. Die literarische Überlieferung derböotischen Sphinxsage.

Schon lange vor dem Erwachen der grie-chischen Kunst zu voller Selbständigkeit wardie orientalische Gestalt der Sphinx zu erwei-terter, eigentümlicher Bedeutung gelangt, in-dem sie mit der Sagenwelt von Hellas ver-knüpft wurde. Als dem hellenischen Volke ausfremdem Kulturkreise wie viele andere Fabel-gestalten auch die der geflügelten Löwenjung-frau nahe trat, sah es darin eines jener ver-derblichen Wesen verkörpert, die aus uraltemGlauben hervorgegangen, seine religiösen Vor-stellungen und seine dichterische Phantasiebeeinflußten. Es ist das gespenstige Heer weib-licher Unholde, in deren Gestalt Hekate er-scheint, die Gorgo, Mormo, Lamia, Gello, Em-pusa u. a., welche derartigem volkstümlichenAberglauben angehören (Rohde,Psyche S. 371 ff.).Keren, Erinyen, Harpyien, Sirenen sind ähn-liche Höllengeister und Todesdämonen hoch-altertümlichen Ursprungs: selbst eine lautlicheAnalogie zu unserer Sphinx, der 'Würgerin,bietet die 'kreischende Strinx, jener spukhafteNachtvogel, den man, wie die Keren beimattischen Anthesterienfeste, mit formelhaftenVersen auszutreiben pflegte. Στρίγγ άποπομ-πεϊν I ννχτιβόαν γας, \ βτρίγγ άπδ λαών, ορνινάνώννμον έχ&ρών \ ώχνπόρονς έπι νήας lautetensie nach Bergk, Poet. lyr. 3, 664 (vgl. Crusiusob. Bd. 2 Sp. 1153). Der von Herodian (1, 396Lentz) bezeugte Schwund des Nasals in derForm Στρίξ neben Στρίγξ findet sich auch beiΣψίγξ, wofür nach der Aussprache des gewöhn-lichen Lebens in Vasenaufschriften Σψίξ vor-kommt, nämlich mehrmals auf einer Vase desGlaukytes ( C.I. G. 8139; vgl. A. Schneider, Rom .Mitt. 4, 153 ff.; Klein, Gr. Vasen mit Meister -sign* S. 77, 4; Wiener Stud. 19, 43), einmalauf einem Gefäß aus Caere ( Annal. dett Inst.1866 Taf. Pu; vgl. Hrexler bei Fleckeisen in denNeuen Jahrh. Bd. 143 [1891] S. 667; ob. Bd. 3Sp. 2376). Ohne Nasal sind die Wörter insLateinische übergegangen, wo uns einerseitsstrix, strlgis und strlga, andererseits *pix und ,picatus (= βφιγγόπονς) begegnen. Die Stelleder Plautinischen Aulularia (701 f.): Divitiispicis (d. i. ψίχας, gemeint sind die Greifen),qui aureos montes colunt, Ego solus supero hatFleckeisen a. a. 0. S. 657 besprochen (vgl. Pauly-Kroll, R.-E. 7, 1922).

Einen Mythus hatte also die Sphinx nachGriechenland nicht mitgebracht. Sehen wirzu, welche Elemente der Volkssage sich hieran sie anschlossen und von der Poesie ausge- idichtet, von der Kunst dargestellt worden sind.Gerade diesem Anschluß verdankt der fremdeTypus sein Fortleben, während manche andereFabelwesen aus dem Osten, wenigstens sobald dieattische Kunst führend geworden ist, aus Hellasverschwinden. Wir__ geben vorerst die wich-tigsten Punkte der Überlieferung nach Haupt-kategorien und suchen sodann auf diesem Grunde

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die Entwicklungsgeschichte unserer Sage zuüberblicken.

Wie der Greif, so erscheint auch das Sphinx-ungeheuer in der erhaltenen griechischen Dich-tung zuerst bei Hesiod . Von der doppel-gestaltigen Pborkystochter Echidna heißt es inder Theogonie (326 f.): f} δ αρα Φίχ' δλοηντέχε, Καδμείοιβιν δλε&ρον,Όρ&ω νποδμΎΐ&είβαΝεμειαίόν τε λέοντα. Hier gilt also der Hundi des Geryoneus, Orthos (Orthros) als Erzeuger,der nemeische Löwe als Bruder der Sphinx;das Fabelwesen entsteht aus der Verbindungder in unterirdischer Höhle des Arimerlandeshausenden Echidna mit ihrem eigenen Sohne.'Ausgeburt der unterirdischen Echidna wirdes auch von Euripides genannt (γας λόχενμανερτέρον τΕχίδνας Eurip. Phoen. 1019 f., vgl.γας πελώριον τέρας Iphig. Taur. 1247); dieselbehatte bereits Lasos als Mutter angeführt, derindessen gegen Hesiod , vielleicht nach demVorgänge der Oedipodie, als Vater den Typhonbezeichnete (fr. 4, Lyric. graec. III 4 377 Bergk).Daß die Sphinx von Typhon und Echidna ab-stamme, war überhaupt die verbreitetste An-schauung, Asklepiades hatte sie deshalb auchin seinem Werke über die Tragödienstoffe zuverzeichnen gehabt. Auf des Asklepiades Τρα-γωδού μένα gehen die Notizen bei Apollodor 3,5,8und dem Scholiasten zu Eurip. Phoen. 46 u.1020 zurück (s. Robert, de Apollod. hiblioth.p. 73); vgl. Hygin. Myth. prol. p. 12 Sch.,cap. 151. 67. Wenn andererseits Typhon undCliimaira als ihre Eltern erwähnt werden ( Schol.Hesiod . Theog. 326; vgl. Flach, Glossen undScholien zur hesiod. Theog. S. 134f.), so willdas wenig besagen, denn leicht konnte Hesiods Ausdrucksweise dazu verleiten, Chimaira fürdie Mutter zu halten. Wie diese Genealogienbezeichnenderweise auf den Osten als Stamm-land der Sphinx hinweisen, wurde von demjüngeren Pisander (Schol. Eurip. Phoen. 1760)ihrÜrsprung in die 'äußersten Gegenden Aethio-piens verlegt, ähnlich wie der der Greifen vonAeschylos (Prom . 801 fl). Schol. Eurip. Phoen.806 heißt es dagegen: έν Κι&αιρωνι τω δρειέτρέψετο. Beiläufig verzeichnet werden mögendie Angaben, Sphinx sei eine natürliche Tochterdes Laios gewesen (wie Lysimachos in den Θη-βαίχά παράδοξα berichtete, Fragm. histor. graec.3, 336 fr. 5 M. aus Schol. Eurip. Phoen. 26,vgl. Pausan. 9, 26, 3), oder Tochter des Böo-ters Ukalegon (Schol. Eurip. Phoen. 26), odereine Thebanerin, die mit des Kadmos Töchternrasend und darauf verwandelt wurde (ebd. 45),eine merkwürdige, in dem elbischen Wesender Sphinx, dieser Doppelgängerin der Gellenund Stringen,wohlbegründete Auffassung, wieCrusius sagt (Sphinx und Silen, Festschr. fürJoh. Overbeck S. 107). Zu einerverwandeltenTochter des Kadmos macht sie irrtümlicher-weise mit Bezug auf diese Überlieferung Har-tung, Relig. u. Mythol. d. Griech. 2, 143.

Ihre wunderbare Gestalt wird oft beschrie-ben. Wenn wir mit Bethe (Theb. HeldenliederS. 17 ff.) aus Pisander auf die Oedipodie zurück-schließen dürfen, so wurde die Sphinx in die-sem Gedichte mit Drachenschwanz geschildert,wie ihre Mutter Echidna (ην δε ή Σψίγξ, ώσπερ